In
der Regel werden Bücher mit Hilfe von Verlagen veröffentlicht. Lediglich
Jakob Ebner zog es vor, seine Broschüren im "Selbstverlag" herauszugeben.
Diese Gepflogenheit ist durchaus üblich, wenn eingeführte Verlage damit
rechnen müssen, dass angebotene Manuskripte keine Aussichten hätten,
in solcher Stückzahl verkauft werden zu können, dass die mit der verlegerischen
Arbeit verbundenen Kosten wieder hereinkommen; von einem Gewinn ganz zu schweigen.
Die
meisten Autoren der im Literaturverzeichnis aufgeführten Schriften über
die Salpetererbewegungen aber haben Verlage gefunden. Die Arbeiten historisch-wissenschaftlichen
Charakters sind in Verbindung mit Forschungsreihen veröffentlicht worden,
wie es am Beispiel der Arbeit von Tobias Kies demonstriert werden kann. Dieses
wissenschaftliche Werk, es handelt sich um die Dissertation des Verfassers, ist
im Universitäts-Verlag Konstanz erschienen. Das umfangreiche Buch konnte
dort aber nur mit finanzieller Unterstützung durch Sponsoren gedruckt werden.
Zu den Sponsoren gehörten der Landkreis Waldshut, die "Dr. Inge Freytag
Stiftung" Waldshut und die Universität Bielefeld, bei der die Arbeit
geschrieben wurde.
Trotz derartiger Förderungen ist der Verkaufspreis
relativ hoch, da nur wenige Exemplare gedruckt, von denen viele noch in Bibliotheken
gestellt und an mögliche Rezensenten abgegeben werden. Verkaufsschlager sind
derartige wissenschaftliche Werke kaum. Erst wenn sie, frei von den vielen Anmerkungen
und Erläuterungen, gleichsam wie ein Geschichtsbuch umgeschrieben werden
und / oder wenn sie auf einen "Nerv" des Publikums treffen, dann haben
sie Aussicht, gut verkauft zu werden. So ein wissenschaftliches Werk war zum Beispiel
das dickleibige Buch von Joachim C. Fest über "Hitler", das 1973
zu ersten Mal erschien und seither mehrfach wieder aufgelegt wurde.
Und
die Salpeterer? Auf den ersten Blick scheint das Thema lediglich von regionalem
Interesse zu sein. Es sind aber Widerstandsbewegungen in allen europäischen
und außereuropäischen Ländern von Bedeutung, weil sie Gemeinsamkeiten
besitzen. Es sind zumindest jene Gemeinsamkeiten, die uns Leserinnen und Lesern
signalisieren, dass es Menschen gab und gibt, die sich - ganz allgemein gesagt
- nichts (mehr) gefallen lassen und die mitreden wollen, wenn es um das eigene
Schicksal geht und die den Mut dazu haben, Widerstand zu leisten. Dort hören
oft schon die Gemeinsamkeiten auf, da bereits die Formen des Widerstandes unterschiedlich
sind.
Wenn
man nachschauen möchte, wie es in der Vergangenheit aussah und wer, warum
und wo in Deutschland sich gegen Obrigkeiten erhob, dann wird man bald feststellen,
dass es überall - auch in scheinbar friedlichen und abgeschiedenen Landschaften
- widerständige Bewegungen gab. Sie richteten sich überall, und das
ist eine weitere Gemeinsamkeit, gegen die jeweiligen Obrigkeiten, die meistens
auf Seiten der politisch, wirtschaftlich und militärisch Mächtigen standen.
Weil das aber so war, hat natürlich, um es einfach und pauschal so zu sagen,
die jeweils herrschende politische Klasse kein Interesse daran, am Beispiel historischer
Widerstandsbewegungen die Bereitschaft zu widerständigen Haltungen in der
Bevölkerung allgemein oder gar bei der Jugend im Besonderen zu vermitteln.
Darum kamen ja zum Beispiel Dr. Emil Müller-Ettikon, der Geschichtslehrer
und Gustav Heinemann, der Bundespräsident, darauf, von "vergessener
Geschichte" zu reden, als sie die Salpeterer 1974 ins Gespräch brachten.
Die Salpeterer waren im Hotzenwald nie vergessen: doch in keinem Lehrplan
waren sie zu finden und in keinem Geschichtsbuch; nirgendwo in Deutschland! Dabei
hätte es sich angeboten, im Geschichtsunterricht die Salpetererunruhen als
Beispiel für Widerstände zur Zeit des Absolutismus in Deutschland oder
als Aufhänger für das Thema "Kommunale Selbstverwaltung und Demokratie"
zu behandeln.
In
den siebziger Jahren aber war - zum Teil auch als Folgen der achtundsechziger
Studentenbewegungen - die Bereitschaft zu widerständigem Verhalten gewachsen.
Ob es um die Rüstung ging, um Atomkraft oder um den Schutz der natürlichen
Umwelt: die Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik hatten begonnen,
sich zu rühren. Und in diese Zeit fiel passgenau die Rezeption der Salpetererunruhen
aus einer neuen Perspektive. Stehen nicht alle, so lautete von dreißig Jahren
die Frage, die Widerstand leisten, in der Tradition der Salpeterer?
Und Thomas
Lehner, der Redakteur des Freiburger Südwestfunks, beantwortete diese Frage
mit seinen Hörspielsendungen und mit der Herausgabe seines Büchleins
"Die Salpeterer" positiv.
Gewiss, er löste damit bei den Historikern
und Heimatforschern Kopfschütteln aus: ihnen war bekannt, dass es im achtzehnten
Jahrhundert auf dem Hotzenwald zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen
und hässlichen Begebenheiten zwischen den Bauern gekommen war und nicht alle
Nachkommen wussten, ob sie stolz auf ihre Vorfahren sein durften oder sich ihrer
schämen müssten. Viele genierten sich, wenn hier oben "auf dem
Wald" die Rede auf die Salpeterer kam.
Wer aber ein wenig zu abstrahieren
versteht und auf die Ursachen derartiger Unruhen schaut, der wird unschwer verwandtes,
typisches, verallgemeinerbares finden, das gleichsam zeitlos die Menschen umtreibt.
Und hierzu gehören Gefühle der Ohnmacht, der Fremdbestimmung, der Arroganz
von Mächtigen oder gar der Eindruck oder die Lebenserfahrung, auf Kosten
Anderer bedrückt oder gar in Armut gehalten zu werden.
Und nur wer den
Bürgerinnen und Bürgern das Recht oder gar die Pflicht zum Widerstand
abspricht, wird kein Verständnis für diejenigen haben, die an derartige
Traditionen anknüpfen und sie uns Heutigen ins Bewusstsein heben wollen.
Und genau darin liegt das Verdienst jener, die sich der Rezeption der Salpeterer
widmeten und zwar mit dem ausgesprochenen Bekenntnis, ein Salpeterer unserer Tage
zu sein.
Nun
erreichen derartige, vor dreißig Jahren recht provokante Motive und Bestrebungen
keine Öffentlichkeit, wenn niemand bereit ist, sie zu "transportieren".
Thomas Lehners Büchlein erschien zunächst im Wagenbach-Verlag und das
Buch von Dr. Emil Müller-Ettikon wurde von Wolfgang Schillinger angenommen
und 1979 im Schillinger-Verlag Freiburg veröffentlicht. Herr Wolfgang Schillinger
hat außerdem die Rechte an dem Büchlein von Thomas Lehner erworben
und es 2001 erneut in den Buchhandel gebracht.
Was
bewog sie, den Freiburger Verleger Wolfgang Schillinger und wenige Jahre später
den Verleger Axel Dietrich aus Wolpadingen mitten im Hotzenwald, das verlegerische
Wagnis einzugehen und Schriften über die Salpeterer zu veröffentlichen?
Widmen
wir uns auf dieser Seite den beiden Verlegern aus unserer Region, Ihrem Wirken
und ihrer Motive.