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Thomas Lehner Diese Fotografie
ist dem Buch von Roland
Kroell "Magischer Schwarzwald und Vogesen. Wanderungen zu Orten
der Kraft" (S. 303) entnommen. Dieses Buch erschien im AT-Verlag
Baden und München 2004.
Einige
Informationen über Thomas Lehner finden Sie am Ende der Buchbesprechung |
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Im
Titel des Buches - ich verwende hier die im Schillinger-Verlag
Freiburg im Jahre 2000 erschienene dritte Auflage - ist Thomas Lehner als Herausgeber
genannt. Es findet sich in der Tat in diesem Büchlein eine Sammlung von Tabellen,
Quellen, Buchauszügen, Liedern und Auszügen von Schauspielen, die Thomas
Lehner nicht verfasst hat. Doch die begleitenden, erläuternden und einordnenden
Rahmentexte sind offenbar aus seiner eigenen Feder. Dass Thomas Lehner sich dichterische
Freiheiten erlaubt, wenn er den Salpeterer-Hans selbst auftreten lässt (Könnte
es so gewesen sein? S. 42), deutet darauf, dass Lehner kein Historiker sondern
ein Geschichtenerzähler ist, wie seine seither im Sonne, Mond und Sterne-Verlag
erschienenen Bücher offenbaren. Das Buch über die Salpeterer bezeichnet
Thomas Lehner als einen "Beitrag für eine Geschichtsschreibung von unten".
Er zitiert in seinem Vorwort zur zweiten Auflage (1977): "Das Volk kommt,
wenn überhaupt, (in der Geschichtsschreibung J.R.)
nur als Kulisse vor. Darum haben wir angefangen, unsere Geschichte selbst
zu schreiben - nicht im Nachhinein, sondern gleich, wenn sie passiert..."
(S. 10) . Um Lehners Äußerungen beziehungsweise Anliegen zu verstehen,
muss auf den zeitgenössischen Hintergrund gewiesen werden, vor dem diese
Schrift entstand. |
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Als Anfang der siebziger Jahre Energiekonzerne, wie
die heutige ENBW gemeinsam mit den Regierungen von Baden Württemberg und
im Aargau planten, den Rhein zwischen Schaffhausen und Straßburg zu einem
Zentrum von Atomkraftwerken zu machen, stießen sie auf den Widerstand bei
großen Teilen der Bevölkerung beiderseits des Rheins. Den Französischen
und Schweizer Kraftwerksbetreibern war es ja auch gelungen, unter anderem an der
Aare bei Gösgen und Döttingen sowie am Rhein bei Leibstadt und Fessenheim
Atomkraftwerke zu errichten. Die für deutsches Gebiet vorgesehenen Kraftwerke
in Wyhl und Schwörstadt und das Schweizerische bei Kaiseraugst aber sollten
verhindert werden. Der Widerstand begann vor dreißig Jahren im Wyhler Rheinauwald
Dass das tatsächlich gelang, war den badisch-elsässischen und schweizerischen
Bürgerinitiativen an Hoch- und Oberrhein, insbesondere den Kaiserstühlern
zu verdanken. Darum auch widmete Lehner sein Büchlein diesem Personenkreis
und setzte ihnen gleichsam ein Denkmal. Diese widerständigen Bewegungen,
die damals vor allem von dem Ministerpräsidenten Filbinger öffentlich
diskriminiert und diskreditiert wurden (und der sich damit geradezu lächerlich
machte), erfahren noch heute den Respekt von allen umweltpolitisch engagierten
Bürgerinnen und Bürgern. Dass es nach wie vor im Interesse der Erhaltung
unserer Lebensgrundlagen wie dem Schutz von Natur und Umwelt wichtig ist, ständig
hierfür einzutreten und insofern den beispielhaften Protest von Wyhl in Erinnerung
zu behalten, wird gegenwärtig am Beispiel des Atomkraftwerkes Fessenheim
deutlich. Vgl. dazu auch: die entsprechende Homepage
der Bürgerinitiativen! |
Thomas Lehner bringt zum Ausdruck,
dass diese "Geschichtsschreibung von unten" der "Staatlichen Geschichtsschreibung"
entgegengesetzt werden muss, da diese derartige widerständige Geschehnisse
übersehen und sie nicht erwähnen würden. Da kein Vertreter einer
"Staatlichen Geschichtsschreibung" genannt wird, bleibt es dem Leser
überlassen, jemanden zu finden, auf den diese Zuschreibung zutrifft. Es kann
davon ausgegangen werden, dass Thomas Lehner diese Feststellung bis heute aufrecht
erhalten hat,, da das Büchlein vor vier Jahren unverändert nachgedruckt
wurde. Wer oder was aber kann als "Staatliche Geschichtsschreibung"
angesehen werden? Ich zögere, Texte in Schulbüchern als "Staatliche
Geschichtsschreibung" zu betrachten, obwohl es, - neben der Geschichtsschreibung
in totalitären Staaten - , die einzigen sind, die behördlich genehmigt
werden müssen. Bei Schulbüchern handelt es sich um Unterrichtswerke,
die, orientiert an didaktischen Erkenntnissen, eine Auswahl von Ereignissen abbilden,
die geeignet sind, historisches Verständnis zu wecken. Eine Geschichtsschreibung
findet da im Grunde nicht statt. Eher eine Auswahl bzw. verkürzte "Abschreibung"
von Ergebnissen historischer Forschung. Widerständige Bewegungen werden jedoch
ohne Ausnahme - wenn sie denn von überregionaler Bedeutung waren - dargestellt.
Bezogen auf die neuere Zeit verweise ich zum Beispiel auf den 3. Band der "Geschichtlichen
Weltkunde" (2. Auflage, Frankfurt o. J. / aber vor 1989), verfasst von den
Historikern und Didaktikern der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Darin
fehlen weder die Ereignisse um den siebzehnten Juni 1953 in der DDR, noch jene
um die Studentenbewegungen von 1968 und den folgenden Jahren in der BRD. Und,
das erscheint mir besonders bemerkenswert, sind die Ereignisse ohne wertende Tendenzen
vorgetragen. Statt dessen sprechen die ausgewählten Quellen und das Bildmaterial
für sich. Innerhalb der Historikerzunft gilt schon seit Langem die
Aufmerksamkeit der Erforschung widerständiger Bewegungen, wie das Literaturverzeichnis
auf diesen Seiten verrät. Allerdings, und hier begeben wir uns wieder in
die späten sechziger und in die siebziger Jahre, hat sich die historische
Forschung erst seit dieser Zeit verstärkt diesen Themen zugewandt.
Als Beleg hierfür möchte ich auf den Historiker und Geschichtsdidaktiker
Prof. Dr. Wolfgang Hug aus Freiburg
verweisen, der mich 1970 bat, den Schulstreiks im Hotzenwald des 19. Jahrhunderts
nachzuspüren. Und mit dieser Aufgabe landeten wir damals an der Pädagogischen
Hochschule in Freiburg bei der Salpeterergeschichte. |
Und damit zurück zum Lehner-Büchlein.
Dessen Wert liegt für mich einmal in der Form der Darstellung, die unter
Verwendung der bereits angesprochenen dichterischen Freiheiten, der Wiedergabe
von zeitgenössischen Texten und Liedern sowie unter Verwendung von Illustrationen,
keine Langeweile aufkommen lässt. Darüber hinaus ist das Buch von Lehner
inzwischen selbst als Quelle zu betrachten, da es die Leserinnen und Lesern heute,
zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts, die geistige Atmosphäre aber
auch die Anliegen, die vor allem die Jugend in den siebziger Jahren umtrieb, in
überzeugender Weise nachvollziehen lässt. Dieses Verdienst Lehners bleibt
ungeschmälert und ist nicht hoch genug einzuschätzen. Und man muss
- sofern man über die Motive der beteiligten Personengruppen aus dieser Periode
unserer Regionalgeschichte nachdenkt, - feststellen, dass salpeterischer Geist
nach wie vor gebraucht wird. Die Seiten der Bürgerinitiativen, auf deren
Homepage verwiesen wurde, unterstreichen dies. Insofern bleibt die Schrift Lehners
aktuell. Der Auffassung, dass man sich vor Gleichsetzungen hüten und
man aus geschichtlichen Ereignissen keine Parallelen zu aktuellen politischen
und ökonomischen Anliegen ziehen solle, war nach Lehners Buch in Medien immer
wieder zum Ausddruck gebracht worden (vgl. dazu u. a. Bender, Helmut in: Vom Hochrhein,
Hotzenwald und südlichen Schwarzwald. Freiburg 1980, S.155-157), Es können
die Salpetererunruhen mit ihren sich wandelnden Anliegen auch nicht gleichsam
1:1 auf zeitgenössische Herausforderungen übertragen werden, selbst
wenn man sie mit "Rebellentum" (Bender) gleichsetzen würde. Wohl
aber, und darauf ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen, sind alle Bewegungen,
die sich als Widerstand gegen eine Obrigkeit, die die Lebensinteressen der ihnen
anvertrauten Menschen bedroht, vergleichbar. Was die mitgeteilten historischen
Details betrifft, so wäre Thomas Lehner zu empfehlen, die Texte auf die Richtigkeit
ihrer Aussagen zu prüfen, sollte das Buch eine weitere Auflage erfahren.
Da ist zum Beispiel die Rede vom Freibauern Thoma aus Egg (S.117), der in Wirklichkeit
Lehnbauer des Stift Säckingen war. Und noch etwas erscheint mir wichtig
für ein Salpetererbuch: In den vergangenen dreißig Jahren, also seit
Thomas Lehner durch den Hotzenwald fuhr und den Erinnerungen an die Salpeterer
nachspürte, hat sich sehr viel geändert. Den Salpeterern und ihrer Geschichte
begegnen wir hier oben an vielen Orten und bei vielen Gelegenheiten. Roland Kroell
zum Beispiel, der schon damals mit Thomas Lehner in Wyhl auftrat, ist inzwischen
zu einer bekannten Persönlichkeit geworden, der für Musik und Lieder
im Freilichtspiel "Der Salpetrerhans"
von Markus Manfred Jung im Sommer 2004 in Herrischried verantwortlich war. Dazu
kommen die Forschungsarbeiten
über die Salpetererunruhen, die ebenso wie die Informationen auf der Seite
über die "Salpeterer
im WWW" verraten, wie lebendig diese Ereignisse aus dem achtzehnten Jahrhundert
nach wie vor bei uns im Hotzenwald sind. Dr.
Joachim Rumpf im Februar 2005 |
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Was Thomas Lehner
über sich selbst für diese Seite mitteilte: "THOMAS LEHNER,
geb. 1944 in Gunzenhausen / Mittelfranken, arbeitete von 1970 bis 2000 als Kulturredakteur
am Landesstudio Freiburg des Südwestfunks, schrieb und produzierte zahllose
Hörbilder über die Heimatgeschichte Badens, Salpeterer, Hans Jakob,
Kaspar Hauser, Bauernkrieg, Badische Revolution usw. Von seinen Büchern
sind "Die Salpeterer", "Der Feengarten", "Erdchroniken"
und (unter dem Pseudonym "JEAN" - wie auch "Erdchroniken")
"Elsass - Kolonie in Europa" in der Region besonders bekannt geworden." Von
seinen Radioprojekten erwähnt Thomas Lehner: Den Heimatkrimi "Gold-Dreck",
"Das Belchenprojekt" und "Der Königssohn vom Schwarzwald",
den es auch als Buch ("Die Prinzessin der versunkenen Stadt") und als
Doppel-CD gibt. Thomas Lehner arbeitet jetzt als Filmdramaturg beim Drehbuchcamp
Freiburg-Wiesbaden und lebt als freier Schriftsteller in Samouillan / Haut - Caronne.
(02.03.2005) Zum Schluss seiner Mitteilungen weist er noch darauf
hin, dass man weitere Informationen zu den Salpeterern bei Roland
Kroell und Hubert
Matt-Willmatt bekäme. In den Gesprächen mit beiden Autoren, zuletzt
mit Hubert Matt-Willmatt im April 2006, wurde mir bestätigt, dass sie noch
immer einen guten Kontakt untereinander pflegen und die einst in den siebziger
Jahren in Freiburg und Wyhl entstandenen Beziehungen Bestand haben. Auch
Wolfgang Schillinger,
der das Salpetererbüchlein Lehners immer wieder neu auflegt, ist mit Thomas
Lehenr, der sich ja nun aus Deutschland zurückgezogen hat und im Südwesten
Frankreichs lebt, in guter Verbindung. |