Jakob Böser war 1875 in Heidelberg geboren
und dort aufgewachsen. Als Lehrer erhielt er später unter anderem eine Stelle
in Schluchsee zugewisen und kam später nach Birndorf. Seine Neigung zu eigener
historischer Forschung, die er bekanntlich mit vielen seiner Berufsgenossen teilt,
führte ihn in die Archive der Kirchengemeinden in Waldshut und Birndorf.
Die Gespräche mit den in Birndorf noch lebenden Salpeterern machten ihn neugierig
und regten ihn dazu an, deren Geschichte zu erfragen, zu erforschen und aufzuschreiben.
Den tieferen Beweggrund für seine historischen Interessen beschreibt
er in einem biographischen Rückblick, der unter der Überschrift "Ein
Lehrerleben und Lehrerstreben" 1963 erschien. Er führt aus, dass er
am 1907, in seiner Zeit als Lehrer in Birndorf, zu der Überzeugung kam, dass
er seine "ganze Schularbeit auf heimatlicher Grundlage aufbauen und in allen
Fächern von der Heimat der Schüler ausgehen müsse". Um diesen
an heimatkundlichen Gegebenheiten und Begebenheiten orientierten Unterricht erteilen
zu können, musste er sich selbst gründlich kundig machen. So kam er
unter anderem auch dazu, die Geschichte der Hotzenwald-Heimat (seiner) Schüler
eingehender, als das bisher geschehen war, zu erforschen". Gemeinsam mit
seinem Kollegen Halder in Immeneich begann er autodidaktisch die "mühsame
und zeitraubende" Arbeit. Über die Salpeterer teilte ermit:
"Die Geschichte des Hauensteiner Landes lernte ich in doppeleter Hinsicht
als hochinteressant kennen und zwar einmal im Hinblick auf dessen alte Einungsverfassung,
die nur mit der Geschichte der Dithmarschen allenfalls verglichen werden konnte,
und dann im Hinblick auf die politische Sekte der Salpeterer, die im 19. Jahrhundert
zur politisch-religiösen Sekte der Ägidler wurden..."
Bereits zu Beginn des ersten Weltkrieges wurde er ins Markgräfler Land versetzt
und setzte dort seine historischen Forschungen fort. Mehr noch: er wurde gleichsam
zu einer Art Exponent seiner speziellen, an der Heimatkunde orientierten Didaktik,
die er "Heimatschule" nannte. Von 1924 bis zu seinem Eintritt in den
Ruhestand 1941 war er - auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Badischen
Lehrervereins Lörrach - in der Lehrerfort- und Weiterbildung gefragt.
Seit 1921 war er nebenher auch zum Betreuer der Gemeindearchive des Bezirks Lörrach
berufen worden. Dort entstanden, er wohnte inzwischen in Höllstein, mehrere
historische Arbeiten. Über Bamlach erarbeitete er zum Beispiel ein Quellenbuch
über das "Heimatschrifttum des Markräfler Landes und angrenzender
Gebiete", das 1921 erschien. Diese Bibliographie hat er auch in späteren
Jahren ergänzt und bis in das Jahr 1940 weitergeführt. Jakob Böser
gehörte zu den Mitbegründern der seit 1938 erscheinenden Zeitschrift
"Das Markgräflerland. Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur".
Zu
diesem Zeitpunkt war er bereits erkrankt und aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden.
Er lebte auch nicht mehr in Höllstein sondern hatte in Wiesloch die Leitung
einer Schule erhalten. Diese Schule hatte er gemeinsam mit seinen Lehrerkollegen,
nach seinen eigenen Darstellung, zu einer Musterschule des Konzepts "Heimat-
und Arbeitsschule" gestalten können. 1933 kam zwar nicht gleich das
Aus für dieses reformpädagogische Konzept, wohl aber nahmen die Verunglimpfungen
und Denunziationen aus dem Kollegium selbst zu. Es war wohl seiner Kriegsteilnahme
v0n 1914-1918 und einer Verwundung zu verdanken, dass Jakob Böser, der vor
1933 der demokratischen Partei angehörte und kein NSDAP-Mitläufer wurde,
dass ihm persönlich kein Leid geschah und er sogar im Amt bleiben konnte.
Hierzu
eine Anmerkung von mir: Unter dem Nazibildungsminister Rust und nach der "Gleichschaltung"
der Länder (also der Zentralisierung) wurden auch Pädagogik und Unterricht,
wie in totalitären Staaten üblich, normiert. Die eher in demokratischer
Tradition stehenden Bemühungen der Reformpädagogen oder gar der nichtkonfessionellen
Lehrerverbände wie dem BLLV (Badischer Lehrer- und Lehrerinnenverein; der
Vorgänger der heutigen GEW) wurden diskriminiert, verboten oder aufgelöst.
Jakob Böser berichtet über diese Zeit des "Kampfes um Schul-
und Jugendführung", dass er am Ende gesundheitlich so angeschlagen war,
dass er in seinem 66. Lebensjahr um seine Zurruhesetzung ersuchte.
Der Schluss
seines Rückblicks zeigt seine Resignation.
"Dieser
Schlag (die Niederlage 1945 J. R.), der auch meine Hoffnung für Deutschlands
Jugend furchtbar getroffen hat, hat unsere zielbewusste Schul- und Erziehungsrbeit
auf Jahrzehnte hinaus zurückgeworfen und vieles unwiederbringlich vernichtet".
Nach
seinem Eintritt in den Ruhestand nahm er seinen Wohnsitz in Steinen im Wiesental,
wo er am 21. August 1951 nach langer schwerer Krankheit verstarb.
Der Autobiographie
hat er ein Verzeichnis der 52 von ihm verfassten Schriften angefügt. Über
das Hauensteiner Land und die Salpeterer sind neben dem Salpetererbuch sieben
Aufsätze verzeichnet, die im "Albboten" zwischen 1911 und 1917
abgedruckt worden waren.