Schriften über die Salpeterer im Hotzenwald

 

Dichtungen

Roland Kroell

 


roland kroell und die salpeterer

 

auf dem Cover der Langspielplatte aus dem Jahre 1977, dem diese Überschrift entnommen ist, schreibt Hubert Matt-Willmatt unter anderem:

 


"Roland Kroells Vertonungen der Salpetererlieder, deren Texte ausschließlich von Salpeterern stammen, geben in einer Art grimmigem Sprechgesang Ausdruck der verzweifelt um ihr Recht und ihre Freiheit kämpfenden Wälder. Es geht Roland Kroell darum, mit seinen Liedern zum Nachdenken anzuregen, denn es gibt immer noch Gründe zur Salpeterei...

13.3.77

 

 

Im Sommer 1976 war Roland Kroell in Whyl aufgetreten, ein kleiner Ort am Kaiserstuhl, der zum Symbol für den Widerstand gegen den Bau weiterer Atomkraftwerke am Hoch- und Oberrhein werden sollte. Kroell lebte in jener Zeit noch in Waldshut-Tiengen wo in den gleichen Jahren drüben am schweizer Rheinufer das Atomkraftwerk Leibstadt erbaut wurde. Weit hinein in die Landschaften beiderseits des Hochrheins symbolisiert seither die Wolke über diesem Kraftwerk die Ohnmacht all jener Menschen, die sich gegen die Vermessenheit und Arroganz jener Personen und Personengruppen richten, die der Nachwelt unendliche Lasten aufbürden und, wie uns vor einigen Jahren die Katastrophe von Tschernobyl drastisch erleben ließ, auch unsere Gesundheit gefährdet. Inzwischen hat Roland Kroell seinen Wohnsitz in Hartheim genommen. Von dort aus kann er wenigstens die Dampfwolke von Leibstadt nicht mehr sehen...
Doch der hartnäckige Widerstand gegen ein Atomkraftwerk am Kaiserstuhl hatte damals Erfolg. Dort auch trug Roland Kroell seine Salpeterer-Lieder vor. In der Badischen Zeitung war am 1. Juni 1976 zu lesen:

 

 

"Ohne Laudatio oder Moderation trat der Hotzenwälder Sänger Roland Kroell auf, der von Salpeterern erzählt, jenen aufständischen Wälderbauern, die ihre Freiheit jahhundertelang verteidigten, zuerst gegen das Kloster St. Blasien im 16., 17.,18., dann gegen den badischen Staat im 19. Jahrhundert. "S´wär kein Wunder, die Stadt Freiburg ging unter, `s geschieht gar viel böses darin" sing Kroell.
Er heimst viel Beifall ein von den Kaiserstühler Rebellen, die heute zum ersten Mal etwas vom Salpeterer-Hans hören, dem Anführer der Schwarzwälder, der 1927 im Freiburger Gefängnis verreckt."

 

 

Genau so erlebte ich Roland Kroell erst im vergangenen Herbst, als er, gemeinsam mit dem Görwihler Musiker Herbert Rüdigier auf der Bühne stand und keltische Weisen auf alten Instrumenten zu Gehör brachte: "Ohne Laudatio und Moderation", nichts als Interpret uralter Weisen, deren Bedeutung und Sinn uns heutigen Menschen verloren ging und die Roland Kroell über sich wieder zum Klingen bringt. Da erscheint keine frohe Botschaft oder gar musikalisch lockeres Getändel wie bei volkstümlichen Weisen von den Schwarzwaldmusikanten oder in Schnaderhüpferln oder Schrammelmusik. Der Ernst und Tiefsinn von Klängen und ihrer Darbietungen, regte zum Nacherleben und Nachdenken an. Sie führte mich nicht zu befreiendem Aufathmen sondern löste eher in beklemmender Weise Assoziationen an die dunklen Seiten menschlicher Existenz und die rauen Lebensbedingungen unserer Vorfahren aus. Roland Kroell verstärkte mit seiner sehr sparsamen von großem Ernst bestimmten Mimik und Gestik diese Eindrücke, wie er überhaupt sich selbst als Person hinter seine Vorträge zurückzunehmen schien. Ähnlich stark identifizierte er sich bereits mit seinen widerständigen Vorträgen vor nun fast dreißig Jahren, wenn es in einem Beitrag im Südwestfunk am 11. August 1976 hieß:

 

 

"Er hat sich, wie er sagt, hineinversetzt in die Gefühlslage der Rebellen, die zu Hunderten in die Gefängnisse und Kerker der Obrigkeit wanderten. Der grimmige Sprechgesang ist Ausdruck der ohnmächtigen Wut und des unbeugsamen Starrsinns der Salpeterer..."

 

 

Für das Verständnis seines bisherigen Lebenswerks, das unter anderem mit der Floskel vom "schwimmen gegen den Strom" angedeutet werden kann, ist bermerkenswert, dass er selbst Schüler des Gymnasiallehrers Emil Müller-Ettikon in Waldshut war. Müller- Ettikon hatte sich in seiner Eigenschaft als Geschichtslehrer intensiv mit der Geschichte der Salpetererunruhen und einiger ihrer Repräsentanten befasst und darüber seit 1974 mehrere Schriften veröffentlicht (vg. dazu das Literaturverzeichnis). Sein Hauptwerk "Die Salpeterer" (Freiburg 1979) erhielt den bezeichnenden Untertitel "Geschichte eines Freiheitskampfes auf dem südlichen Schwarzwald". Roland Kroell, berührten seit dieser Zeit alle derartigen Freiheitsbewegungen in der Geschichte.
In der Besprechung seines Buches "Mythologisch Reisen Südschwarzwald-Kaiserstuhl" (1997) heißt es, dass Kroell bei seinen Reisen durch Irland, die er im Anschluss an seine Schulzeit unternahm, in vielen irische Balladen Motive aus dem Freiheitskampf gegen England fand, die ihn an vergleichbare Bewegungen in anderen Teilen Europas in der Vergangenheit erinnerten und denen er dann in Wort und Ton gedachte.
In Irland und dem irischen Kulturgut begegnete Roland Kroell aber auch der in unseren Regionen vergessenen Kultur und Geschichte der Völker der keltischen Sprachfamilie. Ihnen widmete er seine musikhistorische Arbeit und suchte und fand Zugang zu den Spuren keltischer Mythologie und Geschichte, die für ihn bis heute wirken. So schreibt er zum Beispiel:

 

 

"Die Kelten waren die ersten Freiheitskämpfer Europas.
Entschlossen und todesmutig kämpften die keltischen Stämme gegen die Machtansprüche der Römer. Und wie in der Comicserie Asterix und Obelix" waren ihre Widerstandsnester nur sehr schwer auszumachen. Desahlb konnte ihre Kultur nie ganz zerstört werden. Die damaligen Schauplätze waren das heutige Frankreich und Süddeutschland. Aber als die Römer Britannien eroberten, flackerte auch dort eine Welle des Widerstandes auf. Es gibt heute noch Schotten und Walliser, die behaupten, was damals vor zweitausend Jahren begonnen habe, sei ein Kampf, der noch lange nicht zu Ende sei. Ähnlichkeiten finden wir im Freiheitskampf der Hotzenwälder Salpetererbewegung oder der Eidgenossenschaft. Revolutionäre Ideen kamen zahlreich aus dem Schwarzwald und den Vogesen..."

Aus: Magischer Schwarzwald und Vogesen. Wanderungen zu Orten der Kraft. Baden und München 2004, S. 23 f

 

 


Folgt man den veröffentlichten Arbeiten Kroells, dann widmete er sich mehr und mehr der Mythologie und Mystik und zwar besonders bezogen auf unsere Region. Im Jahre 1997 erschien in Lahr das Buch "Mythologische Reisen Südschwarzwald - Kaiserstuhl" und 2004 "Magischer Schwarzwald und Vogesen. Wanderungen zu Orten der Kraft". Außerdem in gleichem Verlag "Sagen, Mythen und Legenden" und "Mittel- und Nordschwarzwald". Darüber hinaus tritt er immer wieder öffentlich auf mit historischen Instrumenten wie Dudelsack, Gitarre, Dulcimer, Trommeln oder Flöte und singt Lieder aus revolutionären Zeiten oder trägt archaische und keltische Gesänge vor. Vielfältig ist sein Angebot an Wanderungen, die er selber führt und Seminare, die er anbietet. Inzwischen haben er und seine Freunde seine spirituellen Neigungen gleichsam institutionalisiert und einen "Keltischen Kulturtreff" in Laufenburg am Hochrhein geschaffen. Interessierte können sich über Kroells Angebote informieren auf der Hompage "Schwarzwaldmagie". Dieser Homepage ist auch das aktuelle Bild von ihm entnommen. Hierzu gibt er selbst unter "Vita" die folgenden sehr knappen Auskünfte:

 


Beschreibung: D:\Homepages\salpeterer_net\Schriften\Dichtungen\Roland Kroell\Kroell 4.jpg


Roland Kroell
Autor, Keltenforscher, Musiker, Hörspielkomponist, Seminarleiter und Bibliothekar, lebt in Laufenburg. Beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit der keltischen Kultur am Oberrhein.
Veröffentlichte mehrere Bücher zu mythologischen Reisen im Schwarzwald und Dreiland. Ist in der Region bekannt durch zahlreiche CD-Produktionen ("archaische und keltische Gesänge", Parzival u.a.) sowie durch Rundfunk- und Fernsehbeiträge.


Wo immer aber an die Salpeterer erinnert wird, wie im Juni und Juli 2004 und 2005 vor dem Klausenhof in Herrischried von Bernd/Blondi Wallascheck meisterhaft vorgetragen, klingen die einst von Roland Kroell vertonten Salpetererlieder auf.


Beschreibung: D:\Homepages\salpeterer_net\Schriften\Dichtungen\Roland Kroell\Kroell 3.jpg

Roland Kroell 1977


Beschreibung: D:\Homepages\salpeterer_net\Schriften\Dichtungen\Roland Kroell\Kroell 1.jpg

Roland Kroell 1997

 

 

 

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