Wie ein Zunftmeister zum Stückeschreiber wird", ist ein Aufsatz in der
Chilbi-Beilage des Waldshuter SÜDKURIER / ALB-BOTE aus dem Jahre 1987 überschrieben,
der auch das obenstehende Bild entnommen wurde. Es wird darin Auskunft darüber
gegeben, was den Waldshuter Bürger und "Zunftmeister der Ehemaligen
der Vereinigung der Junggesellschaft 1468 Waldshut e. V." dazu bewog, sich
mit der Salpeterergeschichte zu befassen und hierüber dieses Schauspiel in
Szene zu setzen. Er sei, so erklärte er der Interviewerin, vor Jahren gebeten
worden, die Salpeterergeschichte von Jakob Ebner zu besorgen. Das sei ihm auch
nach langem Suchen gelungen. Bevor es die Schrift weitergegeben hat, las er sie
selbst. Seither dachte er darüber nach, ob er diesen Stoff nicht in einem
Theaterstück verarbeiten könne.
Das Theaterspielen hat in dem Verein
der "Junggesellenschaft" Tradition. Seit mehr als zwanzig Jahren führt
die Junggesellenschaft Theaterstücke mit Inhalten aus der Stadtgeschichte
auf. Die Anregung ging damals vom Stadtpfarrer Joseph Ruch aus, der nicht nur
ein Sohn der Stadt und Mitglied der Junggesellenschaft war, sondern sich auch
als Historiker um die Stadt Verdienste erwarb. Er hatte zum Beispiel die Geschichte
der Stadt Waldshut von Adolf Birkenmayer und August Baumhauer aus dem Jahre 1927
überarbeitet und aktualisiert. Das Buch erschien 1966 im Auftrage der Stadt
bei H. Zimmermann KG, Druckerei Waldshut. Noch
heute wirkt Herr Riegger persönlich bei Aufführungen mit, wie es die
im Jahre 2006 anlässlich der Chilbi am Heimatabend
in Waldshut aufgeführten Szenen aus der Geschichte zeigten. Das
Stück, um das es in dem Aufsatz von Ursula Huff geht, hieß "Die
Belagerung der Stadt Waldshut durch die Salpeterer" und wurde am Chilbisamstag,
d. 15. August 1987 zum ersten Mal vor dem Unteren Tor aufgeführt. Frau Huff
schreibt dazu in ihrem Beitrag:
"Geschickt hat Riegger es verstanden,
Teile des Stücks als Monologe oder als Erzählung des Chronisten zu Papier
zu bringen..."
Zu
den Veranstaltungen aus Anlass des Jubiläums "1000 Jahre Österreich
und 625 Jahre Einungen Hauenstein" boten erneut der Stadt Waldshut Gelegenheit
an, diese Thematik aufzugreifen. Herr Riegger hat sein Salpetererstück über
die Belagerung Waldshuts überarbeitet und außerdem um jene dramatischen
Ereignisse ergänzt, die mit der Deportation von Salpetererfamilien von Waldshut
aus ins Banat zusammenhingen.
Die
Grundlagen für die szenische Bearbeitung dieser Begebenheiten boten Willy
Riegger neben der Lektüre der Schriften von Jakob Ebner und Emil Müller-Ettikon
die Detailkenntnisse des Waldshuter Archivars Konrad Sutter an, der unter anderem
auch die Aufzeichnungen des Waldshuter Stadtschreibers aus dem achtzehnten Jahrhundert,
Franz Anton Bartolomae gefunden hatte. Diese Aufzeichnungen, recht detailreiche
Beschreibungen der Vorgänge und handelnden Personen, wurden während
der Aufführungen verlesen und anschließend von den Mitspielern - und
im zweiten Teil, wenn es um die Deportation geht, auch von den Mitspielerinnen
und von Kindern - dargestellt.
In
der Ankündigung ist von einem "Dokumentarspiel" die Rede. Und genau
das war es auch. Das heißt, dass der dichterischen Freiheit" kaum Raum
zur Verfügung stand. Hier brauchte keine Handlung erfunden oder gar ein Spannungsbogen
aufgebaut werden. Die Höhepunkte boten die protokollierten Abläufe selbst
an. Es blieb dem Geschick des Regissuers überlassen, sie so auszuwählen,
dass keine bei den Zuschauern keine Langeweile aufkam. Eigentlich waren alle Besucherinnen
und Besucher hauptsächlich Zuhörer. Denn die meiste Zeit
der 106 Minuten dauernden Videoaufzeichnung wurde für das Verlesen der Protokollnotizen,
vom Verbannungsurteil und seiner Begründung, von den Erläuterungen des
Regimentsrats und Kommissars Alois von Vintler, sowie von den Gesängen Roland
Kroells in Anspruch genommen.
Die Auftritte der Salpeterer selbst erforderten
zwar Texte, denn sie redeten ja untereinander und beschimpften auch die Verteidiger
der Stadt und die Obrigkeiten. Im übrigen aber war das "Textbuxh"
gleichsam durch die Protokolle und andere genutzten Quellen vorgegeben. Der Regisseur
aber hatte es gut verstanden, jenes Chaos das im Herbst 1745 unter den ihrer Führung
beraubten Belagerern, tatsächlich geherrscht hatte, darzustellen.
Auch
die Szenen mit der Deportation
von Salpeterern, es werden die Ereignisse vom 9. und 14. Oktober nachgespielt,
überzeugten und waren geeignet, bei allen Besuchern Teilnahme und Mitleiden
auszulösen,