Wenn
er mit diesen "waldursprünglichen Bewohnern des Hauensteiner Ländchens"
umging, "so ist's ihm immer, als hätte er ein Stück realer Poesie,
ein lebendig gewordens Volklied vor sich." (In: Panzer, Bd.
I, S. 20).
Dieser,
an romantische Vorstellungen erinnernden Verklärung des unverfälschtem
altalemannischem Volksstamm, "den Freunden Hebels" , (Panzer,
Bd. IV, S. 52) setzt Scheffel in seinen Reisebildern und den "Säckinger
Episteln" mit seiner Darstellung der Salpetererunruhen ein im Grunde recht
bedrückendes Bild entgegen. Scheffel hat seine Informationen freilich nicht
aus den Quellen. Er beruft sich auf die Schrift von Lukas
Meyer aus Gurtweil, die Heinrich
Schreiber 1837 herausgab und auf die Erinnerungen des Rickenbacher Pfarrers,
der, während der Salpetereregierung im Mai 1745 geflohen, kein gutes Haar
an den Salpeterern und ihren Anliegen gelassen hatte. Dabei, und diesen Zusammenhang
stellt Scheffel, wie andere nach ihm, die vor allem die Übergriffe des Eggbauern
anprangerten, nicht her, gehörte der wüste Umgang der Bauern untereinander
"zur mittelalterlichen Symbolik", wie oben zitiert. Scheffel
widmeten einen beachtlichen Teil seines Berichts den damals wie heute gleichermaßen
strafbaren Verhaltensweisen der Waldbewohner. Diebstähle, Betrügereien
und Körperverletzungen schienen an der Tagesordnung zu sein. Und nimmt man
die Aufzeichnungen des Pfarrers von Herrischried, Isidor Kaiser aus den Jahren
1882 bis 1898 zur Hand (bearbeitet von Alexander Wagner, hersg.
von Günther Adolf, Herrischried im April 2007) dann scheinen Körperverletzungen
bis hin zu Todesfolge zwischen den Dorfgenossen keine Seltenheit gewesen zu sein.
In dieser Beziehung, soviel sei hier vorsorglich eingeflochten, haben sich
die Bewohnerinnen und Bewohner des Hotzenwaldes inzwischen grundlegend verändert.
So wie sich, vor allem nach dem zweiten Weltkrieg, die Lebensverhältnisse
der "Wälder" und der Bewohner in den Tälern anglichen, so
schwand auch die von Scheffel erlebte "Rauflust" (vgl.
dazu auch die Seite: Hotzenwald
im Wandel).
Bezogen
auf die Salpetererunruhen lässt sich schließen, dass des Eggbauern
aggressives Verhalten und anderer dem Trunk ergebener Salpeterer (auch das gehörte
nach Scheffels Beobachtungen zum Selbstverständnis der Wälder) im Grunde
nichts Ungewöhnliches waren. Im Zusammenhang freilich mit Widerständen
gegen die Obrigkeiten, erhielten die in den Klagen betroffener Salpeterergegner
aktenkundig gewordenen Verhaltensweisen, ein besonderes Gewicht.
Dass
sich in späteren Jahren aus gegebenen Anlässen die Wälder nicht
um die um sie herum tobenden Ereignissen kümmerten, Scheffel denkt an die
Befreiungskriege oder an die Kämpfe der badischen Revolutionäre, führt
er darauf zurück, dass ihnen ihr Wunsch nach der Wiederherstellung ihrer
alten Freiheiten und Rechte nach Hinrichtungen und Verbannungen ausgetrieben worden
waren. Er unterstellt, dass die Bauern erkannten, dass es weder Napoleon noch
der neue badische Staat und schon gar nicht die Demokraten waren, die ihre Sehnsucht
nach der guten alten Zeit befriedigen wollten. Stattdessen hatten sie stets den
"Geist des alten Grafen Hans" im Sinn. "Im gewöhnlichen Leben",
so schließt er seine Darstellung über den Hauensteinischen Schwarzwald,
"sind jetzt die Äußerungen des Salpetererwesens verschwunden,
verständiges Ignorieren hat sie (die Salpeterer des neunzehnten Jahrhunderts
J.R.) sicherer in Schatten gestellt als strenge Bestrafungen. Nur bei außergewöhnlichen
Ereignissen, an die der Bauern überhaupt einen ganz eigentümlichen Maßstab
anlegt, streckt der eine oder andere wieder das Haupt in die Höhe und schaut,
ob die Raben noch fliegen" (In: Panzer IV, S.94)