Hubert
Matt-Willmatt ist 1953 in Waldshut geboren, besuchte dort später das Hochrhein-Gymnasium,
nachdem er in den einander benachbarten Dörfern Ay und Bannholz seine Grundschulzeit
verbracht hatte. Hubert Matt-Willmatt ist also in dieser Landschaft beheimatet.
Mehr noch: er ist Sohn von Eltern, die in diesem Landkreis verwurzelt sind und
weit darüber hinaus einen bekannten Namen haben. Da ist einmal die Mutter,
Frau Brigitte Matt Willmatt (geboren 1920), die heute hochbetagt in Freiburg ganz
in der Nähe ihres Sohnes lebt. Sie ist eine Tochter des ehemaligen Waldshuter
Gymnasialdirektors Professor Arthur Feige und die Schwester des Hotzenwälder
Arztes Dr. Bruno Feige, dem Ehrenvorsitzenden des Vereins Heimatmuseum Hotzenwald
in Görwihl. Beide Geschwister verbindet ein lebhaftes Interesse an der Heimatgeschichte.
Vor allem Frau Brigitte, die von Beruf Übersetzerin ist, hat sich als Publizistin
Verdienste erworben. Sie verfügt noch heute über ein reichhaltiges Archiv
und ein schier unerschöpfliches Wissen um die Geschichte und Kultur unserer
Region, die in ihren veröffentlichten Arbeiten fruchtbar wurden. Ihr
Mann, der Vater von Hubert Matt-Willmatt, ist als Heimat- und Mundartdichter bekannt
geworden. Hans Matt-Willmatt war 1898 in Hauingen geboren. Seine Eltern stammten
aus dem Hotzenwald. Dort zog es ihn auch wieder hin, als er, nach vielen Jahren
"trotz mannigfacher Schwierigkeiten und Hemmnisse nach und nach als freischaffender
Schriftsteller ein neues Tätigkeitsfeld" gefunden hatte (Leopold Döbele
in "Badische Heimat Nr. 3/4 1964, S. 235). 1948 heiratete er Brigitte
Feige. Gemeinsam verfassten sie zahlreiche Artikel in allen Zeitungen der Region
und veröffentlichten mehrere Bücher, vor allem Ortschroniken. "Unter
ihrer feinsinniger Beratung begann nun sein literarischer Aufstieg zum geistige
Betreuer der Heimat" schrieb Richard Gäng anlässlich des 70. Geburtstages
von Hans Matt-Willmatt. (Ekkhart Jahrbuch 1969, S. 112). 1968 übernahmen
sie die Leitung der Jugendherberge in Stühlingen. Im Hotzenwald ist der
Name "Matt" so verbreitet, wie anderswo die Schmidt oder Meier. Friedrich
Wilhelm Matt ließ sich darum etwas einfallen: weil er stolz auf diesen typischen
Hotzenwälder Namen war, machte er ihn zu seinem Bekenntnis: ich "will
Matt" heißen, so erklärte er diesen von ihm geschaffenen Namenszusatz. Es
lässt sich festhalten, dass Hubert Matt-Willmatt in einer Umgebung heranwuchs,
die ihm reiche Anregungen über Themen aus Geschichte und Kultur seiner näheren
Heimat vermittelte. Er griff sie auf und machte sie zu eigenen Neigungen. Allerdings
schlug er nicht die Wege von Vater oder Großvater ein, wenn er auch zunächst
einmal in die gleiche berufliche Richtung ging. Darüber gibt er selbst knapp
Auskunft: "Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft
in Freiburg und Paris, Staatsexamen für das höhere Lehramt, Referendarausbildung
(Assessor) in Freiburg und Müllheim. 14 Jahre Auslandsaufenthalt in Frankreich.
Dort landwirtschaftliche Tätigkeit und Beschäftigung in der Lehr-, Presse-
und Kulturarbeit am Goetheinstitut in Colmar und Paris
" Seit
1992 lebt er mit seiner Familie in Freiburg. Dort machte er sich mit einem eigenen
Pressebüro selbständig, das er - seit 2001 - gemeinsam mit seiner Frau
Beate Kierey und mit gutem Erfolg betreibt. Ausführliche Informationen hierzu
auf der Homepage unter www.pressebuero-mwk.de. |
Diese
dürren Auskünfte sagen freilich nichts darüber aus, was Hubert
Matt-Willmatt mit der Geschichte der Salpeterer verbindet. Darum noch einmal
zurück zur Familie Matt-Willmatt. Dort wuchsen zwei Buben heran, von denen
Hubert den Spuren seiner Eltern folgte. Und diese "Nachfolge" führte
geradewegs zur Salpeterergeschichte und zwar in sehr pointierter Weise. Da unternahm
zum Beispiel der Vater Hans Matt-Willmatt bereits nach dem ersten Weltkriege eine
Reise ins Banat, um dort in Saderlach den Spuren ehemaliger Hotzenwälder
zu folgen. Auch der Sohn fuhr bereits in Studienzeiten nach Rumänien und
setzte gleichsam die Arbeit des 1978 verstorbenen Vaters fort, wenn er dort detailliert
über Sprache und Brauchtum der früheren Landsleute forschte. Als
weitere Gemeinsamkeit erkenne ich die betonte Verbundenheit mit der Heimat am
Hochrhein und hier besonders mit dem Hotzenwald. Der Vater, der sich selbst als
"Salpeterer" bezeichnete, schrieb einst in ein Gästebuch "Ich
bin e Hotz und blib s bigotts". Und
der Sohn bekannte sich ebenfalls zum Hotzenwald, als er sich der Salpeterergeschichte
widmete. Er schrieb darüber:
|
"Mein
Weg während und nach dem Geschichtsstudium u. a. war folgender: Die
Salpeterergeschichte war, wie auch die 48er Geschichte (als man noch keine Baden-württembergische
Landesausstellung organisierte,) im Umfeld des Kampfes gegen das AKW Wyhl von
großem Interesse - wie hat man es damals geschafft, sich gegen die Obrigkeit
zu wehren? Dazu haben dann Roland Kroell als Musiker, der die Salpetererlieder
ausgegraben hatte und ich, Vortrags- und Musikabende auf dem Hotzenwald usw. veranstaltete
- getreu dem Satz von Heinemann, dass die Leute nicht wissen, welche Geschichte
sich bei Ihnen vor der Haustüre abgespielt hat. Das
AKW Wyhl konnte verhindert werden - Leibstadt nicht. Durch meine Fahrten zu den
ausgewanderten Hotzenwäldern nach Saderlach in Rumänien, wo ich für
das Badische Wörterbuch u. a. Tonbandaufnahmen machte, kam ich zu den Dörfern
der verbannten Salpeterer, konnte Fotos machen in der Salpeterergasse in Neubeschenowa
usw. und konnte dort einen Forscher (Jakob Vorberger) ausfindig machen, dem ich
zu einer Veröffentlichung im Alb-Boten verhalf und der mir alle Unterlagen
übergeben hatte - auch konnte ich die gesamte Salpetererliteratur aus Rumänien
bekommen, die ich in der Literaturliste meines Artikels aufführte. Das hatte
auch einen familiären Bezug, denn die Salpeterer Huber waren Vorfahren von
den Matts. Dann generell die Auswanderungsgeschichte - Seminare an der Uni
und Veröffentlichungen über Saderlach und auch über die Auswanderung
aus dem Raum Stühlingen, wo meine Eltern und auch ich einige Zeit wohnten. Beweggrund
war eigentlich, das damals entweder in Fachliteratur Vorhandene oder in Romanen
Verfremdete als handfeste Information zu verarbeiten und in Vorträgen und
Artikeln zu fassen. Dazu auch meine umfangreiche Literaturliste mit allen erschienen
Artikeln und Büchern - besonders einschneidend war die Veröffentlichung
und die Radiosendung von Thomas Lehner, (an der ich mitarbeitete) die bei Wagenbach
national erschien und für erhebliche Nachfrage sorgte. Auch konnte ich
im Auftrag des Landkreises Waldshut eine Literaturgeschichte verfassen, die auch
alle (damals verstorbenen) Heimatforscher umfasste; meine Mutter schrieb die Artikel
zu allen Heimatstuben. Leider ist die Sache nie gedruckt worden
" Damit
sind zwei Motivationsstränge zur Heimat- und Salpeterergeschichte eindeutig
freigelegt: Der, der vom Vater ausging, als dieser die Verbindung zu den während
zweier Jahrhunderten ausgewanderten Hotzenwäldern im fernen Balkan knüpfte,
eine Arbeit, die der Sohn fortführte und sich dabei besonders der Nachfahren
der verbannten Salpeterer widmete. Ein weiteres, in seiner Bedeutung weit
über unsere Heimat- und Salpeterergeschichte hinausweisendes Motivationsbündel
hat, wie er selbst in seinem Brief bereits andeutete, seine Wurzeln in der Anti-Atomkraft-Bewegung,
die sich in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als ein Teil der
großen außerparlamentarischen Opposition unüberhörbar zu
Worte meldete. Hier muss etwas genauer hingeschaut werden. |
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Dieses
Foto ist der Homepage der badisch-elsässischen
Bürgerinitiative entnommen. |
Wer diese
Salpetererhomepage aufmerksam durchsieht, der wird rasch herausfinden, dass drei
Persönlichkeiten, die hier vorgestellt werden, untereinander in gutem Kontakt
standen: Roland Kroell,
Thomas Lehner
und Hubert Matt-Willmatt. Roland Kroell, der Musiker und Sänger, ist Klassenkamerad
von Hubert Matt-Willmatt am Hochrheingymnasium in Waldshut gewesen und beide hatten
Emil
Müller - Ettikon als Lehrer. Beide waren in den Freiburger Studentenjahren
an der Universität und in der Stadt aktiv, als es darum ging, studentische
Interessen zu vertreten. Beide gehörten zu der Gruppe derer, die unter freiem
Himmel in Wyhl nördlich des Kaiserstuhls auf jenem Platz eine wirkliche Hochschule
initiierten, auf dem die Atomindustrie (das Badenwerk und die Landesregierung
Baden-Württemberg) sich anschickte, gefördert von den Milliarden Subventionen
für Atomkraftwerke aus Steuergeldern, ein Atomkraftwerk zu planen. |
Gemeinsam
mit den Winzern und vielen anderen Einwohnern der Umgebung, besetzten die Studentinnen
und Studenten den Bauplatz. Im Dezember 1971 war die Aktionsgemeinschaft gegen
Umweltgefährdung durch Atomkraftwerke" in Freiburg gegründet worden.
Es war nicht zuletzt die Brutalität, mit der die Staatsmacht die Bauplätze
jeweils räumen ließ, die in relativ kurzer Zeit die meisten Bürgerinnen
und Bürger zu der Einsicht brachte, dass sie vom Staat und den diesen repräsentierenden
Parteien und Abgeordneten nichts Gutes zu erwarten hatten. Die solidarische Bewegung
wurde gefördert, als die Gruppe um den Sänger und Liedermacher Willy
Mossmann, zu der neben Hubert Matt-Willmatt und Roland Kroell auch Thomas Lehner,
der damals im Südwestrundfunk arbeitete, gehörte, mit der Aufklärungs-
und Informationsarbeit begann. Diese Volkshochschule "Wyhler Wald",
"die Schule, in der eigentlich alles gelernt werden kann, ist nicht eigentlich
ein Ort, sondern der Prozess und der spielt sich im Gasthaus ab wie im Gemeindehaus,
in der Kirche, am Telefon, im Laden, auf dem Feld oder auf dem Fußballplatz,
auf dem Weg zur Arbeit oder bei der Demonstration. Aber besonders konzentriert
und kontinuierlich auf dem besetzten Platz und dort institutionalisiert in der
Volkshochschule Wyhler Wald" (1). Roland Kroell sang dort seine Lieder,
Manfred Marquart, der Lörracher Mundartdichter oder Ernst Schillinger, der
Kaiserstühler Winzer und Heimatdichter, trugen ihre Gedichte vor. Martin
Walser las, Emil Müller Ettikon hielt einen Vortrag über die Salpeterer,
Hubert Matt-Willmatt las ber die Auswanderungen ins Banat, Physiker der Universität
und viele andere Wissenschaftler halfen in mehreren hundert Veranstaltungen den
wissbegierigen Bürgerinnen und Bürgern, darunter die Wein- und Obstbauern,
zu verstehen, welche Gefährdungen die Atomkraftwerke und andere industrielle
Großprojekte mit sich bringen können.
Hier ist ein Einschub angebracht: Nur wenige Jahre später ereignete
sich die Reaktorexplosion von Tschernobyl, wie wir heute wissen, bei einer "Sicherheitsüberprüfung".
Die Folgen waren katastrophal und wirken bis heute nach. Noch immer sterben viele
Menschen an den Folgen der Strahlungen. In Europa und Vorderasien waren ab 1986
Böden verseucht Ernten (z. B. die Haselnussernte in der Türkei, die
80 Prozent des europäischen Haselnussbedarfs ausmacht) war genau so verstrahlt,
wie der Ackerboden auf der Gemüseinsel Reichenau (Sendung des SW Fernsehens
am 29.04.06 ab 19,30; vgl. dazu auch: "Die Wahrheit über Tschernobyl."
In: NATUR+KOSMOS Nr. 4/2006, S. 29 - 44). Mit dieser Tragödie war der
Nachweis erlebbar geworden, dass allein die Kernkraftgegner diejenigen waren und
sind, die nicht gegen die Lebensinteressen von Menschen und ihrer Zukunft dachten
und handelten.
Hubert Matt-Willmatt und seine Freunde legten Wert auf die Tatsache, dass sie
mit ihren widerständigen Aktionen an eine alte Tradition anknüpften,
deren Bedeutung für eine Weiterentwicklung von Staat und Gesellschaft im
Geschichts- und Gemeinschaftsunterricht in der Schule bis dahin kaum gewürdigt
wurde: die Traditionen von Protest und Widerstand. Hubert Matt-Willmatt fühlte
sich als Historiker besonders herausgefordert. Er war einer von jenen, die die
Kontinuität herstellten zwischen den Widerständen "von unten",
Bestrebungen durch die Inhaber politischer, ökonomischer und militärischer
Macht zum Nachteil vieler Betroffener zu bekämpfen. Für ihn stehen auch
die Salpetererunruhen in dieser Tradition. Es war und ist seine Absicht, diese
Tradition bewusst zu halten und als Identitätsstiftendes Moment alemannisch-hotzenwälderischer
Geschichte zu bewahren. Insofern, so würde ich es etwas verkürzt
ausdrücken, besteht eine prinzipielle Verbindung zwischen Hans Müller
von Bulgenbach, dem Bauerführer von 1524, Hans-Friedolin Albietz, dem Salpeterer
von 1722 und den Hotzenwäldern im Wyhler Wald 1972. Seit Hubert Matt-Willmatt
und seiner Freunde sind die Salpetererunruhen in pointierter Weise in eine Betrachtungsweise
aufgenommen worden, die historische Ereignisse unter anderem nach Botschaften
und Bedeutungen befragt, die sie für eine jeweils konkrete Gegenwart haben.
Jedem von uns ist diese Perspektive vertraut, wenn wir vom Geschichtslehrer in
der Schule einst gefragt wurden: "und was lernen wir daraus
?"
Derartige Geschichtsbetrachtung unterscheidet sich allerdings deutlich von jenen
Geschichtswissenschaftlern, die es als ihre Aufgabe betrachten, historische Ereignisse
nach den Quellen getreu darzustellen, so, wie es gewesen ist, nichts wegzulassen
und nichts hinzufügen und auf Bewertungen verzichten. Darum auch verdient
ein weiterer Akzent Aufmerksamkeit: Es lässt sich nicht mehr exakt ermitteln,
ob es Dr. Müller-Ettikon, - der Geschichtslehrer von Roland Kroell und Hubert
Matt-Willmatt war - oder der Kreis um den Bundespräsidenten Heinemann, die
die wertende Aktualisierung der Salpetererunruhen in die öffentliche Auseinandersetzung
einbrachten. Als sicher darf gelten, dass diese Betrachtungsweisen Teil einer
Geschichtsdidaktischen Bewegung in Deutschland war, die seit Mitte der sechziger
Jahre unter dem Einfluss soziologischer - hier vor allem systemtheoretischer -
und politischer Erkenntnisse, die Dynamik sozialer Bewegungen in der Geschichte
eines Volkes stärker berücksichtigte als zuvor. Es sind nicht nur "Männer"
und "Mächte", die Geschichte "machen". Die Geschichtsbücher
wurden seither umgeschrieben (2).
|
Noch heute
gehören für den Sohn des alemannischen Dichters und Salpeterers Hans
Matt - Willmatt die Salpetererunruhen in herausragender Weise zur Geschichte unserer
Region, das heißt also, des Landkreises Waldshut, in dem das Gebiet der
ehemaligen Grafschaft Hauenstein und der Hotzenwald liegen. Doch
obwohl er Geschichte studierte und an der Aufarbeitung der Salpererergeschichte
unter den soeben beschriebenen Perspektiven erheblichen Anteil hatte, ist er,
ebenso wie seine Freunde, nicht bei diesem Thema geblieben. Thomas Lehner hat
sich ganz aus Deutschland zurückgezogen und Roland Kroell mit seinem Arbeitsschwerpunkt
in die keltische Kultur begeben. Hubert Matt-Willmatt hat unter anderem viel damit
zu tun, die Schönheiten unserer Badischen Heimat darzustellen und regionale
kulturelle Entwicklungen zu dokumentieren, wobei er seine historischen Kenntnisse
und die umfangreiche Materialsammlung seiner Eltern und hier die seiner noch immer
engagierten Mutter fruchtbar werden lassen kann. Er schilderte mir in einem
Gespräch, wie wertvoll es für ihn war, durch Vater und Mutter und die
mit ihnen eng verbundenen kulturschaffenden Personengruppen in unserem Landkreis
von Jugend an Kontakt gehabt zu haben. Gute zwischenmenschliche Beziehungen entwickelten
sich daraus, die bis heute andauern. Sie gaben Anregungen, boten Orientierungen
anboten und ebneten Wege. Als ein besonders augenfälliges Beispiel in diesem
Zusammenhang ist das seiner Verbindung zur "Vereinigung der Kunstfreunde
am Rhein" und deren Vorsitzenden, dem Bildhauer Erwin Rehmann in Laufenburg
CH. Als dieser Verein, der den Nachlass von Ernst Friedrich Löhndorff besitzt,
nach einem kompetenten Fachmann suchte, der für Stadt und Region Leben und
Leistung des Schriftstellers und Malers Erich Löhndorff, der in Laufenburg
seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, bearbeitet, trat man an Hubert Matt-Willmatt
heran. In den Jahren zwischen 1987 und 1998 ist eine bemerkenswerte Lebensbeschreibung
unter der Überschrift "Das Abenteuer im Leben und Werk von Ernst Friedrich
Löhndorf" dieses eigenwilligen Künstlers von Hubert Matt-Willmatt
erarbeitet worden. Mit diesem Buch hat Hubert Matt-Willmatt seine Herkunft
aus der Geschichtswissenschaft ausdrücklich bestätigt. Während
ein Leser, der eine Biographie zur Hand nimmt, gewohnt ist, gleichsam einen "Roman"
angeboten zu bekommen, der sich von einer mehr oder weniger an Tatsachen orientierten
Geschichte lediglich dadurch unterscheidet, dass er (hoffentlich) auf einem gründlichen
Quellenstudium beruht , weist Hubert Matt-Willmatt ausführlich seine Quellen
nach. Jedes Kapitel enthält seinen eigenen Anmerkungsapparat, so dass sich
jeder Leser unmittelbar darüber vergewissern kann, worauf die Aussagen im
Text beruhen. Ich selbst habe diese Form der Präsentation eines abenteuerlichen
Lebens als einen Gewinn empfunden. Nicht selten waren die zum Teil recht ausführlichen
Informationen in den Fußnoten für mich wenigstens ebenso spannend,
wie der Text selbst. Mehr noch: Hubert Matt Willmatt erhellte insofern gelegentlich
zeithistorische politische, kulturelle und personale Hintergründe und Zusammenhänge,
als er in diesen Fußnoten ausführlich auf sie einging. Hier nur ein
Beispiel: als er über die Bemühungen Löhndorffs nach dem zweiten
Weltkrieg berichtet, von Laufenburg aus an Aufträge zu kommen, spielt hierbei
Werner Knuth, der Nachkriegsdirektor eines Konstanzer Theaters, eine wichtige
Rolle (S. 160 f). Die Anmerkung zu diesem Vorgang gibt ausführlich Auskunft
über diesen Künstler und ist gleichsam eine Art "Kurzbiographie"
Werner Knuths. Dies ist eine der mir als für Hubert Matt-Willmatt als
typisch erscheinenden Arbeitsweise.
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Hier
noch einige Selbstauskünfte über Veröffentlichungen von Hubert
Matt-Willmatt: "Schon
als Schüler erste Artikel in lokalen Zeitungen. Nach Auslandsaufenthalt seit
1992 selbständiger Journalist im Pressebüro Matt-Willmatt. 2001 Gründung
der Pressebüro GbR Matt-Willmatt - Kierey gemeinsam mit Beate Kierey. Veröffentlichungen
im literarischen (Elisabeth Walter und Ernst F. Löhndorf, Regionale Literaturgeschichte
u. v. m.), historischen (Salpeterer, Auswanderung aus dem Hotzenwald
)
sowie im touristischen Bereich (ADAC-Magazin, Marco Polo, Reisebildbände
).
Pressereferent der Schwarzwald Tourismus GmbH seit 1992. Mitglied
in der Gesellschaft für bedrohte Völker, der Badischen Heimat, Vorstandsmitglied
des DJV Kreisverband Freiburg." Auswahl
veröffentlichter Monographien -
Die Hotzenwälder Freiheitsbewegung der Salpeterer und ihre Vorgeschichte,
In: Haumann, Heiko (Hrsg.): Vom Hotzenwald bis Wyhl. Demokratische Tradirionen
in Baden. Köln 1977, S. 80-96 -
mit Klaus Isele (Hrsg.): Die Würtenberger - Drei Dichter aus dem Klettgau.
Eggingen 1986 - Dettighofen, Baltersweil, Berwangen. Dettighofen 1992 -
(Hrsg.): E. Walter Abenteuerliche Reise des kleinen Schmiedledick mit den Zigeunern
u. a. Schriften. Einmalige Sonderausgabe. Freiburg 1997 -
Ernst Fr. Löhndorf - ein deutscher Jack London? Das Abenteuer im Leben und
Werk von Ernst Friedrich Löhndorf (1899 - 1976). Eine Biographie
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Ein
Nachwort zum Schluss zu
einem - aus meiner Sicht - bemerkenswerten Phänomen im Zusammenhang mit den
beiden Autoren Hubert Matt-Willmatt und Markus Manfred Jung. In
Jahre 2005 starb nach langer Regierungszeit der Fürst von Monaco aus einem
heute noch regierenden Adelsgeschlecht. Jeder, der Freude hat an derartigem prächtigen
Zeremoniell, konnte die Inthronisation seines Sohnes und Nachfolgers im Fernsehen
verfolgen. Auch von Großbritannien her ist uns vertraut, wie im englischen
Königshaus die Nachfolge von Königin oder König feststeht und jede/r
"Thronfolger", wenn die Zeit gekommen und der "Erbfall" eingetreten
ist, gekrönt wird. Diese Abläufe, die heute in den meisten Fällen
weniger reale machtpolitische Auswirkungen sondern eher symbolische Bedeutung
haben und einen hohen Unterhaltungswert besitzen, sind uns aus der Geschichte
wohl vertraut: stets übernahmen die Söhne oder Töchter die Krone
und damit die politische Macht von ihrem Vater. Und alle Untertanen nahmen das
- bis zum Ende der Monarchien in Europa - selbstverständlich und als "von
Gott gegeben" so hin. In
Bezug auf die politischen Machtstrukturen seit der Einführung demokratischer
Verfassungen, blieben vergleichbare Erbfolgen an der Spitze von Nationen und ihren
Regierungen aus. Söhne oder Töchter von Ministerpräsidenten oder
Präsidenten traten nur im Ausnahmefalle in die Fußtapfen ihrer Väter.
Allein den Wählerinnen und Wählern (bzw. den Wahlarrangeuren) in den
USA blieb es in unseren Tagen vorbehalten, hier eine Ausnahme zu machen und den
Sohn eines ehemaligen Präsidenten ins Weiße Haus zu senden. Dass
Politikerkinder ebenfalls in die Politik "einsteigen", wenn auch eher
auf unteren Ebenen, das finden wir auch bei uns. Dann werden zum Beispiel Bundestagsmandate
in bestimmten Familien vererbt, wie weiland die Einungsmeisterposten in der Grafschaft
Hauenstein. Es gibt aber auch Töchter oder Söhne von Künstlern
und Wissenschaftlern, die sich mit Erfolg darum bemühen, ihren Eltern nachzufolgen.
Ich denke da bei Musikern an Friedemann Bach, dem Sohn Johann Sebastian Bachs
oder bei Schriftstellern an Erika, Golo und Klaus Mann, den Kindern Thomas Manns.
Bei Mozart übertraf der Sohn sogar bei weitem den Ruf des Vaters. In der
bildenden Kunst finden sich einige Familien, in denen zwei Generationen berühmt
wurden. Denken wir zum Beispiel an Brueghel, Cranach oder Holbein. Ganz
offensichtlich aber bleiben es Ausnahmen, dass Kinder namhafter Persönlichkeiten
vergleichbare Neigungen und Fähigkeiten mit vergleichbaren Erfolgen verknüpfen
können und darum öffentliche Aufmerksamkeit beziehungsweise Anerkennung
erreichen. Was bei den Adelsgeschlechtern leicht erreichbar war, weil ihnen
allein durch Geburt oder Macht (hauptsächlich in früheren Zeiten) öffentliche
Beachtung (noch in der Gegenwart) zu teil wurde, das mussten und müssen sich
Persönlichkeiten, die in Wissenschaft und Kunst bekannt oder berühmt
wurden, durch entsprechende Arbeiten erringen. Nicht Herkunft und Beziehungen
entscheiden in diesen Fällen in erster Linie über das Ausmaß öffentlich
beachteten Erfolges, sondern die Qualität eigener Leistungen. Da
ist das außergewöhnliche Zusammentreffen höchst bemerkenswert,
dass sich Vertreter aus gleich zwei Familien und zeitlich nahezu parallel, in
zwei aufeinander folgenden Generationen gleichermaßen Ansehen erwarben.
In unserer badischen Heimat sind dies gegenwärtig - bezogen auf die Salpetererthematik
- zwei Männer : Markus Manfred Jung und Hubert Matt-Willmatt. Steht
Markus Manfred Jung gleichsam in der Nachfolge seines Vaters Gerhard Jung als
Dichter alemannischer Zunge, so verbindet Hubert Matt-Willmatt mit seinen Eltern
die Neigung zu schriftstellerischer und historischer Arbeit. |
| Anmerkungen (1)
Zur Geschichte der Widerstandsbewegung gegen den Bau von Atomkraftwerken am Hochrhein
vgl. die sehr ausführlichen Darstellungen und weitere Literatur auf der Homepage
www.badisch-elsaessische.net,
den Sammelband von Heiko Haumann: Vom Hotzenwald bis Wyhl. Demokratische Traditionen
in Baden. Köln 1977. In diesem Buch befindet sich auch der Aufsatz über
die Salpeterer von Hubert Matt - Willmatt: "Die Hotzenwälder Freiheitsbewegung
der Salpeterer und ihre Vorgeschichte". S. 80 - 96. Hubert Matt - Willmatt
war demnach der erste, der die Salpetererunruhen als eine "Freiheitsbewegung"
charakterisierte, wie es dann wenig später (1979) auch Emil Müller-Ettikon
im Titel seines Buches tat. Kritisch hierzu: Rumpf, Joachim: Waren die Salpeterer
Freiheitskämpfer?" In: Badische Heimat Nr. 2 / 2005, S. 281 - 296.
(2) Es
ist interessant, einmal daraufhin Geschichtsbücher unserer Kinder mit jenen
aus unserer Schulzeit zu vergleichen! Allein am jeweiligen Titel ist die Entwicklung,
die hier angesprochen wurde, ablesbar. Zum Beispiel: "Grundriss der Geschichte"
(Stuttgart 1957) gegenüber "Menschen in ihrer Zeit" (Stuttgart
1974) oder "Geschichtliche Weltkunde" (Frankfurt 1979) (3)
Nur ein Beispiel von vielen: Johann Gustav Droysen: Geschichte Alexanders des
Großen. Marburg und Zürich 1954 (4)
Dass es darüber hinaus bei uns noch andere Familien gibt, in denen Eltern
und Kinder gleichermaßen durch außergewöhnliche Leistungen die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich lenkten sei unbestritten. Ich
denke da zum Beispiel an Erich Schwendemann aus Murg und seinen Sohn Franz. Während
sich der inzwischen neunundneunzigjährige Emil Schwendemann unter anderem
als Heimatkundler und Historiker auszeichnete, hatte sein Sohn lange Jahre als
Historiker und Geschäftsführer im Regionalverband Hochrhein und Südlicher
Schwarzwald segensreich gewirkt. ©
Dr. Joachim Rumpf 79733 Görwihl 01.05.06 |
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