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Historikern und Heimatforschern


Karl Peter Krauss in dem von Annemarie Röder herausgegebenen Katalog zur Ausstellung:

"Vom deutschen Südwesten in das Banat und nach Siebenbürgen"

 

 

In dem Beitrag

"Deportation und Rückkehr des Hauensteiner Aufständischen Jakon Friedolin Albietz"
zeichnet Karl Peter Krauss das bewegende Schicksal eines Salpeterers nach. Jakob war der älteste Sohn des Salpeterersieders und ersten Wortführeres der nach seinem Beruf genannten "Salpeterer" , des Hans Fridolin Albietz, der in Buch lebte. Und als im Oktober 1755 einige der Salpeterer mit ihren Familien aus der Heimat und in die Verbannung fortgeführt wurden, waren auch der zu diesem Zeitpunkt sechzigjährige Jakob, seine Frau und sein erwachsener Sohn Joseph dabei. Sowohl die Frau als auch der Sohn das erste Jahr in der Fremde nicht. In Werschetz im Banat waren sie am Fieber gestorben, an dem auch Jakob so sehr litt, dass er nicht arbeiten konnte.
Karl Peter Krauss schildert, wie Jakob im Herbst 1760 illegal wieder in die Heimat zurückkam, zwei Jahre später erneut verbannt wurde - aber dennoch 1768 in seinem Dorf verstarb.

Interessant sind die Ausführungen über die entgegengesetzten Tendenzen unter den Bewohnern in den Einungen: Während einige danach strebten, das Land verlassen zu können und auswandern zu dürfen, wollten sich andere nicht von ihrerer Heimat trennen. Krauss konnte nachweisen, dass es die Angehörigen der dörflichen Mittel- und Oberschichten waren, die keinen Grund sahen, ihr Hab und Gut zu verkaufen und in die Fremde zu ziehen. Es war der ärmere Teil der Landbevölkerung, die eher bereit war, ein besseres Schicksal in den Balkanregionen des Habsburgerreichs zu suchen.

In einem weiteren Teil seiner Arbeit widmet sich Karl Peter Krauss der Rezeption der Salpeterergeschichte in der Literatur. Aber auch die Hauptzüge der Salpetererbewegung und die Höhepunkte der Unruhen im achtzehnten Jahrhundert werden beschrieben. So rundet der Beitrag über die Salpeterer, ihre Deportation und ihr Schicksal am Beispiel von Jakob Albietz, den umfangreichen, sehr informativen und illustrierten Katalog zur Ausstellung des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg im Jahre 2002 ab.

 

 

Dr. Karl-Peter Krauss

 

 

 

Biografische Informationen

Geboren am 30. August 1955 in Bempflingen, Württemberg. Nach dem Wehrdienst Studium von Geschichte, Geographie und Germanistik (Nebenfach) an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Ostmitteleuropa sowie Landesgeschichte. Nebenberuflich Promotion über die Ansiedlung deutscher Auswanderer in einer ungarischen Herrschaft im 18. Jahrhundert. Forschungsaufenthalte in Österreich und Ungarn. Nach verschiedenen beruflichen Tätigkeiten seit 1990 tätig in der dem Innenministerium zugeordneten Landeskultureinrichtung Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, ab 1992 als Stellvertretender Leiter, seit 1997 als Leiter.

 

 

Warum ein Aufsatz (siehe oben) über die Salpeterer?

Eine Ausstellung über südwestdeutsche Auswanderer in das Banat und nach Siebenbürgen sowie vorheriges Interesse für die spannende Geschichte der "Salpeterer" erweckte die Absicht, das Leben des hauensteiner Aufständischen Jakob Fridolin Albiez näher zu untersuchen. Dies im Kontext der allgemeinen Auswanderung in das historische Ungarn.

 

 

Auswahl der Veröffentlichungen

Von der Schwäbischen Alb in den Kaukasus. Auswanderung aus Mehrstetten 1817. Spurensuche: Was wurde aus den Kolonisten? In: Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler kommen zu uns. Stuttgart 1995, S. 37 - 55.

Röder, Annemarie; Krauss, Karl-Peter (Bearb.): "Weit in die Welt hinaus..." Historische Beziehungen zwischen Südwestdeutschland und Schlesien. Ausstellungskatalog. Calw 1998.

Ansiedlung als Prozeß. Deutsche Kolonisten in der Herrschaft Bóly. In: Beer, Mathias; Dahlmann, Dittmar (Hrsg.): Migration nach Ost- und Südosteuropa vom 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1999, S. 291 - 315.

"Leuthe wie die Helden, mit langen Bärthen, hohen spitzigen Hüthen". Deportation und Rückkehr des hauensteiner Aufständischen Jakob Fridolin Albiez. In: Röder, Annemarie (Hrsg.): "Dan hier ist beser zu leben als in dem schwaben land". Vom deutschen Südwesten in das Banat und nach Siebenbürgen. Ausstellungskatalog. Stuttgart 2002, S. 195 - 216.

Deutsche Auswanderer in Ungarn. Ansiedlung in der Herrschaft Bóly im 18. Jahrhundert. (= Schriftenreihe des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, 11). Tübingen 2003.