Johannes
Marder von Eschbach (der Preuß), Georg Ebner von Birndorf; Nikolaus Gottstein
aus der Rütte, Adam Jehle von Dogern, Jakob Fridolin Albiez von Buch, Martin
Bär von Hierholz, Johann Strittmatter von Görwihl, Konrad Gamp von Dogern,
Johann und Josef Gäng von Hogschür, Jakob Albiez von Etzwihl, Fridolin
Eckert aus der Rütte, Sebastian Werni von Kiesenbach, Martin Berger, Johann
Ebi und Konrad Ebner von Unteralpfen, Fridolin Eckert von Buch, Gregor Kummer
von Buch, Jakob Huber und Jakob Zimmermann von Görwihl, Johann Georg Gerspach
von Oberwihl, Johann Baptist Kaiser von Katzenmoos, Josef Leber von der Glashütte,
Martin Arzner von Engelschwand, Johann Meier von Niederalpfen, der Bruder des
Tochtermännle."
Diese
Reihenfolge findet sich in den Urkunden. Jakob Ebner vermutet in seinem Buch "Geschichte
der Salpeterer des 18. Jahrhunderts. (Selbstverlag 1954 II. Teil, S. 128 ), dass
sie der Rangfolge der Rolle entspricht, die die Salpeterer bei den Unruhen nach
der Einschätzung der Kommission gespielt haben.
Außerdem wurden
neun junge Burschen aus anderen Familien verhaftet und zwangsrekrutiert. Zu diesen
gehörten die Söhne jener Salpetererführer, die bereits verbannt
oder verstorben waren.
In Waldshut wurde den Salpeterern am 10. Oktober das
Urteil der Zwangsdeportation nach Ungarn verlesen. Die Frauen und Kinder hätten
so laut geschrieen, dass man es in der ganzen Stadt hörte. Ohne Verzug wurden
Sie und ihre Angehörigen in Ketten gelegt und eine Woche später unter
militärischer Begleitung in Marsch gesetzt. 36 Soldaten eines Tiroler Regiments
und zwei Offiziere waren für den Transport abkommandiert worden. Der Weg
führte sie, wie damals üblich, über die Straßen bis an die
Donau (bei Günzburg) und von dort mit Schiffen hinab in die neue Heimat.
112 Personen waren von der Zwangsumsiedlung betroffen. 105 von ihnen kamen in
Temesvar in Ungarn an. Einige von diesen aber lebten nicht mehr lange. Sie gingen
an den hohen Anforderungen, die mit der Urbarmachung der sumpfigen Niederungen
verbunden waren, zugrunde. Andere wiederum setzten sich durch und begannen, in
der Fremde Wurzeln zu schlagen. Die Landschaft war zwar eine ganz andere, aber
in Österreich waren die Verbannten geblieben. Das in Wien ansässige
Habsburger Herrscherhaus war im Besitz der ungarischen Königskrone und zugleich
deutscher Kaiser. Und noch ein Umstand erleichterte den Hauensteinern mehr und
mehr das Leben fern von der Heimat. Immer mehr Familien aus den vorderösterreichischen
Gauen suchten in Ungarn Möglichkeiten, um zu überleben. Der Strom der
Umsiedler Richtung Osten schwoll mehr und mehr an, weil es dort Land zu günstigen
Bedingungen gab. Vgl. hierzu auch im Internet die Seite: www.genalogy.net/privat/flacker/hotzen.htm
Die
Verbindungen zur alten Heimat rissen zunächst ab. Erst einhundert Jahre später
(1855) wurden die Alemannen in Ungarn wieder entdeckt, als ein Basler, der bei
einem ungarischen Grafen beschäftigt war, in dem Dorf Saderlach die Bauern
alemannisch sprechen hörte. Seither blieb der Kontakt erhalten. Als 1991
sogar Saderlacher nach Görwihl kamen, da wurde jedermann offenbar, dass zwischen
den freiwillig und unfreiwillig Ausgereisten aus dem achtzehnten und neunzehnten
Jahrhundert und unseren Hauensteiner Bäuerinnen und Bauern ein enger Zusammenhang
gesehen werden muss. Professor Emil Maenner aus Weinheim berichtet 1937 darüber
in seinem Saderlach-Buch "Chemmet ine!" ( Bilder
aus der Vergangenheit und Gegenwart des Alemannendorfes Saderlach im rumänischen
Banat 1737 - 1937) und
druckt einen Brief eines Saderlacher Bürgers ab, den dieser ca. 1893 geschrieben
hatte. Darin heißt es:
"Bi uns chemmet vo dene Name, wo mer im
Salpetererbüchli g'funde hen, noch vor: Neff, Gantner, Binkert, Eckert, Strittmatter,
Eisele und Märklin ..."
Bei dem "Salpetererbüchli"
handelt es sich vermutlich um die 1892 in Waldshut erschienene Schrift von Franz
August Stocker. Die Familien unserer Salpeterer, die zu den ersten deutschen Siedlern
im Banat gehörten, starben also nicht aus; ihre Urenkel leben noch. Jakob
Ebner hat über das Schicksal der Verbannten im zweiten Teil seiner "Geschichte
der Salpeterer des 18. Jahrhunderts" berichtet. Und in der Gegenwart werden
die zerrissenen Fäden von engagierten Banater Schwaben wieder geknüpft,
wie deren Jahrestreffen 2003 bewies, das in Herrischried stattfand und ganz im
Zeichen des Schicksals der verbannten Salpeterer stand.
Dass
nur ein Teil der Verbannten überlebte mag nicht zuletzt damit begründet
sein, dass die Salpetererfamilien unter besonders diskriminierenden Bedingungen
zwangsweise angesiedelt wurden. Durften sich andere Siedlungswillige aus dem Schwarzwald
ihren zukünftigen Heimatort selbst auswählen, nicht wenige gingen nach
Saderlach, wo bereits eine alemannische Gemeinde bestand, wurde den verbannten
Salpetererfamilien dies verwehrt. Ich zitiere der Schrift von Emil Maenner:
"Die
alten Verschwörer
sind daher auf Ansiedlungs-Oerther' zu verteilen
und dies soll so durchgeführt werden, dass sie nicht in einem Ort aufgenommen
werden und wohnen, sondern ihr Unterkommen in verschiedenen Districten,
wenigstens in verschiedenen Ortschaften' haben sollen.
(Sie wurde)n unter
scharfer militärischer Begleitung auf Laiterwägen' bis Günzburg
und von dort aus zu Schiff über Linz, Nussdorf bei Wien und Ofen zur Mündung
der Theiß in die Donau befördert" (S. 25/26).
In Neu-Bessenowa
fand Maenner einige Einträge im Pfarrbuch, nach denen der Tod von Deportierten
schon bald nachweisbar war. Und wenn man sich vergegenwärtigt, unter welchen
harten Bedingungen alle Umsiedler in den Sümpfen des Banats oder an Theiß
und Donau Land urbar machten, "furchtbar wütet der Tod in ihren Reihen"
(Maenner, S. 22), dann darf es nicht überraschen, dass die Verbannung als
besonders hart erlebt worden war.
Als
im vergangenen Jahr von den Historikern aus dem "Haus der Heimat" die
Ausstellung "Vom deutschen Südwesten in das Banat und nach Siebenbürgen"
organisierten haben sie zugleich mit dem reichlich mit Bildern und Dokumenten
ausgestattetem Begleitbuch zur Ausstellung Ereignisse und Lebensschicksale ans
Licht geholt, die bis heute noch kaum erforscht waren
(Vom
deutschen Südwesten in das Banat und nach Siebenbürgen. Katalog zur
gleichnamigen Ausstellung des Haueses der Heimat des Landes Baden-Württemberg.
Hrsg: Annemarie Röder, Stuttgart 2002).
Unter der Leitung von
Frau Dr. Annemarie Röder erarbeitete eine Gruppe kompetenter Historiker für
das "Haus der Heimat Baden- Württemberg" in Stuttgart diese wertvolle
in zwei Sprachen verfasste Dokumentation. In ihr finden wir den Aufsatz von Herrn
Dr. Karl-Peter Krauss, dem Leiter
des Hauses der Heimat, über den ältesten Sohn des Salpeterer-Hans und
seiner Frau Maria Enderlin.
Jakob
Fridolin Albiez wurde am 27. Juli 1695 geboren und starb im Januar 1768 in Etzwihl.
Jakob Albietz, über den im Zusammenhang mit den Salpetererunruhen immer wieder
die Rede ist, gehörte, wie wir der oben stehenden Liste entnehmen können,
zu den von Haus und Heimat verbannten Salpeterern. Dennoch gelang es ihm, wieder
in die Heimat zurück zu kehren. Nachdem in der Verbannung seine Frau und
sein Sohn gestorben waren, kehrte er 1760 mit falschen Papieren nach Etzwihl zurück.
Er wurde verhaftet, eingesperrt und nach anderthalb Jahren auf das Urteil der
vorderösterreichischen Regierung in Freiburg hin, erneut des Landes verwiesen.
Wie es Jakob dennoch gelang, seinen Lebensabend im Heimatdorf zu beschließen,
ist nicht bekannt. Vielleicht wurde der alte, verarmte und zweifellos inzwischen
recht ungefährliche Mann begnadigt. Er starb am 9. Januar 1768 in Etzwihl
in seinem dreiundsiebzigsten Lebensjahr.
Karl-Peter
Krauss beschreibt unter Verwendung der vorhandenen Urkunden und anderer Dokumente
sehr anschaulich am Beispiel des Jakob Albiez das Schicksal der Verbannten, das
nicht selten in Krankheit und Verarmung mündete. Wie aber lassen sich die
unterschiedlichen Haltungen jener, die aus unserer Landschaft unfreiwillig und
jenen erklären, die "mit aller Macht danach strebte(n), auszuwandern"
(S. 204). Und er findet eine überraschend überzeugende Begründung
am Beispiel von Siedlern aus Unteralpfen: Die 1737 aus Ober- und Unteralpfen freiwillig
ausgewanderten Familien gehörten zur landarmen dörflichen Unterschicht
und durfte sich von der Auswanderung eine Verbesserung ihrer materiellen und sozialen
Situation versprechen. Die vier aus Oberalpfen verbannten Salpetererfamilien hingegen
gehörten der dörflichen Mittel- und Oberschicht an und hatten keinerlei
Veranlassung, ihre Situation aufzugeben und Hab und Gut im Stich zu lassen. Gewiss
wurden sie für die Verluste entschädigt und erhielten, dem verlorenen
Vermögen entsprechend im Banat eine anteilige Aufbauhilfe, wie es Paul Eisenbeis
in einem kleinen Aufsatz nachwies
(Die Deportation der aufständischen
Salpeterer ins Banat 1755. In: In: Land zwischen Hochrhein und Schwarzwald. Beiträge
zur Geschichte des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein e.V.
Waldshut. Jahrgang 2005, S. 37 - 40).
Die tatsächlichen Verluste
aber, sowohl an Landbesitz, Haus und Hof und den sozialen Beziehungen konnten
nicht ausgeglichen werden. Und das Beispiel von Jakob Albiez, der ebenfalls zu
den vermögenden Bauern gehörte, zeigt, dass die Deportierten Salpeterer
nicht zu jenen gehörten, die in der Fremde (wieder) zu Wohlstand kamen.
Interessant
wäre es zu erfahren, was aus dem zwangsenteigneten Besitz der Salpetererfamilien
wurde, wer ihn und zu welchen Bedingungen erwarb. Entschädigt wurden sie
ja von den vorderösterreichischen Behörden. Und die haben die Bauernwirtschaften
wahrscheinlich nicht selbst behalten beziehungsweise den Dorfgemeinschaften von
Oberalpfen oder Buch geschenkt.