Schriften über die Salpeterer

Dichtungen

 

Waldshut und die Salpeterer

 

 

 

Herr Willy Riegger ist Autor und Regisseur des Stückes "Waldshut und die Salpeterer". Nach einer Dokumentation von Konrad Sutter, Waldshut, schrieb Herr Willy Riegger im Rahmen der Feier "1000 Jahre Österreich" für die Stadt Waldshut das o. g. Freilichtspiel. In der Zeit vom 16. August - 24. August 1996 wurde das Stück mit 90 Akteuren vor dem "Unteren Tor" in Waldshut 6 Mal aufgeführt.

In seiner Eigenschaft als langjähriges Mitglied der Waldshuter Junggesellenschaft und Vorsitzender des Vereins der Ehemaligen der Vereinigung der Jungggesellenschaft, hatte er viel Erfahrungen gesammelt, da die Junggesellen seit langem in Waldshut auf der Bühne agieren (s. u.). Herr Riegger ist 1947 geboren und von Beruf Vermessungstechniker in einer Waldshuter Behörde.

 

 


Wie ein Zunftmeister zum Stückeschreiber wird", ist ein Aufsatz in der Chilbi-Beilage des Waldshuter SÜDKURIER / ALB-BOTE aus dem Jahre 1987 überschrieben, der auch das obenstehende Bild entnommen wurde. Es wird darin Auskunft darüber gegeben, was den Waldshuter Bürger und "Zunftmeister der Ehemaligen der Vereinigung der Junggesellschaft 1468 Waldshut e. V." dazu bewog, sich mit der Salpeterergeschichte zu befassen und hierüber dieses Schauspiel in Szene zu setzen. Er sei, so erklärte er der Interviewerin, vor Jahren gebeten worden, die Salpeterergeschichte von Jakob Ebner zu besorgen. Das sei ihm auch nach langem Suchen gelungen. Bevor es die Schrift weitergegeben hat, las er sie selbst. Seither dachte er darüber nach, ob er diesen Stoff nicht in einem Theaterstück verarbeiten könne.
Das Theaterspielen hat in dem Verein der "Junggesellenschaft" Tradition. Seit mehr als zwanzig Jahren führt die Junggesellenschaft Theaterstücke mit Inhalten aus der Stadtgeschichte auf. Die Anregung ging damals vom Stadtpfarrer Joseph Ruch aus, der nicht nur ein Sohn der Stadt und Mitglied der Junggesellenschaft war, sondern sich auch als Historiker um die Stadt Verdienste erwarb. Er hatte zum Beispiel die Geschichte der Stadt Waldshut von Adolf Birkenmayer und August Baumhauer aus dem Jahre 1927 überarbeitet und aktualisiert. Das Buch erschien 1966 im Auftrage der Stadt bei H. Zimmermann KG, Druckerei Waldshut.
Noch heute wirkt Herr Riegger persönlich bei Aufführungen mit, wie es die im Jahre 2006 anlässlich der Chilbi am Heimatabend in Waldshut aufgeführten Szenen aus der Geschichte zeigten.

Das Stück, um das es in dem Aufsatz von Ursula Huff geht, hieß "Die Belagerung der Stadt Waldshut durch die Salpeterer" und wurde am Chilbisamstag, d. 15. August 1987 zum ersten Mal vor dem Unteren Tor aufgeführt. Frau Huff schreibt dazu in ihrem Beitrag:
"Geschickt hat Riegger es verstanden, Teile des Stücks als Monologe oder als Erzählung des Chronisten zu Papier zu bringen..."

Zu den Veranstaltungen aus Anlass des Jubiläums "1000 Jahre Österreich und 625 Jahre Einungen Hauenstein" boten erneut der Stadt Waldshut Gelegenheit an, diese Thematik aufzugreifen. Herr Riegger hat sein Salpetererstück über die Belagerung Waldshuts überarbeitet und außerdem um jene dramatischen Ereignisse ergänzt, die mit der Deportation von Salpetererfamilien von Waldshut aus ins Banat zusammenhingen.

Die Grundlagen für die szenische Bearbeitung dieser Begebenheiten boten Willy Riegger neben der Lektüre der Schriften von Jakob Ebner und Emil Müller-Ettikon die Detailkenntnisse des Waldshuter Archivars Konrad Sutter an, der unter anderem auch die Aufzeichnungen des Waldshuter Stadtschreibers aus dem achtzehnten Jahrhundert, Franz Anton Bartolomae gefunden hatte. Diese Aufzeichnungen, recht detailreiche Beschreibungen der Vorgänge und handelnden Personen, wurden während der Aufführungen verlesen und anschließend von den Mitspielern - und im zweiten Teil, wenn es um die Deportation geht, auch von den Mitspielerinnen und von Kindern - dargestellt.

In der Ankündigung ist von einem "Dokumentarspiel" die Rede. Und genau das war es auch. Das heißt, dass der dichterischen Freiheit" kaum Raum zur Verfügung stand. Hier brauchte keine Handlung erfunden oder gar ein Spannungsbogen aufgebaut werden. Die Höhepunkte boten die protokollierten Abläufe selbst an. Es blieb dem Geschick des Regissuers überlassen, sie so auszuwählen, dass keine bei den Zuschauern keine Langeweile aufkam. Eigentlich waren alle Besucherinnen und Besucher hauptsächlich Zuhörer. Denn die meiste Zeit der 106 Minuten dauernden Videoaufzeichnung wurde für das Verlesen der Protokollnotizen, vom Verbannungsurteil und seiner Begründung, von den Erläuterungen des Regimentsrats und Kommissars Alois von Vintler, sowie von den Gesängen Roland Kroells in Anspruch genommen.
Die Auftritte der Salpeterer selbst erforderten zwar Texte, denn sie redeten ja untereinander und beschimpften auch die Verteidiger der Stadt und die Obrigkeiten. Im übrigen aber war das "Textbuxh" gleichsam durch die Protokolle und andere genutzten Quellen vorgegeben. Der Regisseur aber hatte es gut verstanden, jenes Chaos das im Herbst 1745 unter den ihrer Führung beraubten Belagerern, tatsächlich geherrscht hatte, darzustellen.

Auch die Szenen mit der Deportation von Salpeterern, es werden die Ereignisse vom 9. und 14. Oktober nachgespielt, überzeugten und waren geeignet, bei allen Besuchern Teilnahme und Mitleiden auszulösen,

 

 

In einem Beitrag der Badischen Zeitung vom 2. August 1996 wurde über die Vorbereitungen zu diesem Stück berichtet. Danach haben die - gar nicht leicht zu findenden - ehrenamtlichen Akteure seit Mitte April wöchentlich zweimal und seit Juni enmal wöchentlich geprobt. Diese ungemein fleißige Probenarbeit kam aber auch voll zum Tragen. Souverän beherrschten die Spielerinnen und Spieler ihren Part. Einmal gab es einen Anlass trotz des Ernstes, den beide Teile des Schauspiels beherrschten, zu schmunzeln. Das war, als der Baron v. Vintler mit zornig erhobener Stimme auf die eigensinnigen, sturen "Hotzen" schimpfte. Der Begriff "Hotzen", ist für das achtzehnte Jahrhundert noch nicht verbürgt. Die Hauensteiner Waldbewohner waren schlichtweg nur die "Wälder".
Der Darsteller des Baron von Vintler beherrschte seinen Teil hervorragend. Er war in der Lage, den vielen Text frei vorzutragen, ging sparsam, aber zum Inhalt passend, mit Gesten um. Sogar der österreichische Zungenschlag war ihm gelungen, so dass man ihm die Wiener Herkunft durchaus abnahm.
Mir schien die Besetzung bemerkenswert gut gelungen. In Erscheinungsbild und Auftreten passten die Darsteller wie der des Gaudihans, der des Chronisten, der des Waldvogts, - um nur einige zu nennen, - sehr gut in diese Rollen.

Viel Mühe hatten sich die Organisatoren mit der Ausstattung gegeben. Die Bäuerinnen und Bauern aus den Einungen, die Bürger aus Waldshut, die Offiziere und Soldaten und die Vertreter des Kaiserhauses in der Grafschaft waren in prächtigen zeitgenössischen Gewändern aufgetreten.

Gelungen auch das Schlusswort. Willy Riegger ließ v. Vintler sagen: "...wer hat Recht oder Unrecht? Das möge der entscheiden, der alles entscheidet" und richtet seinen Blick nach oben.

 

Doch wer sich die Geschichte der Rezeption der Salpetererunruhen vor Augen hält, wie sie vor allem auf dieser Homepage kennen gelernt werden kann, der weiß, dass wir Menschen nicht geneigt sind, diese Entscheidung dem Himmel zu überlassen. Wir schildern und deuten Vergangenes auf unsere Weise und das heißt, vor dem Hintergrund des jeweiligen "Zeitgeistes" oder der persönlichen Überzeugungen.

Dass die Veranstalter und die Regie ausdrücklich auf dieses Phänomen hinweisen, das hat mich sehr beeindruckt. Gerade weil ein Dokumentarspiel vorgetragen wurde, dessen Hauptquelle ein Waldshuter Bürger - und damit zugleich Partei war, wurde mit den Auftritten des Sängers und Dichters Roland Kroell ein Korrektiv eingebaut. Ihm war Gelegenheit gegeben, die Lieder von den Salpeterern und über sie zu intonieren, wie sie auch auf seiner Schallplatte von 1977 zu finden sind. In seinen begleitenden Worten vertrat er die Deutungen und Positionen der Salpetererunruhen nicht, wie wir sie durch den zeitgenössischen Chronisten oder durch Historiker kennen lernten, sondern aus dem Verständnis der Bürgerrechtsbewegung der siebziger Jahre heraus. Dass beide Stimmen zu Worte kamen, spricht für die Unvoreingenommenheit aller maßgeblichen Mitwirkenden an diesem Stück und seiner Aufführung und verdient hohe Anerkennung.
Insofern lautete die Botschaft an die Zuschauer und Zuhörer: "Bilde Dir Deine Meinung selbst!"

Alle Achtung der Junggesellenschaft und den anderen Gestaltern, die dies so wollten!

 

Hier sind weiter Bilder und Selbstauskünfte der beiden Autoren und Bearbeiter des Stücks.
Zum ersten Mal wird auf diesen Seiten darüber berichtet, dass zwei engagierte und an der Heimatgeschichte interessierte Persönlichkeiten gemeinsam - gleichsam im Dialog - ein derartiges Vorhaben zum Erfolg führten.

Gewiss waren auch die anderen auf diesen Seiten vorgestellten Volksschauspiele nicht das Werk des Dichters allein. Es brauchte Regisseure und vor allem die vielen ehrenamtlichen Darsteller und Helfer, ohne deren Leistungen nichts ginge.

Dennoch sei in diesem Falle der "Teamarbeit" Beachtung geschenkt und Hochachtung ausgesprochen.

Bisher hat noch keiner unserer Heimatdichter sein Werk als gleichsam eine Gemeinschaftsleistung dargestellt.
Weil das hier so ist, werden beide - Hans Mies und Andreas Weiß - hier zu Worte kommen.

andreas
Andreas Ch. Weiß
geboren 1971 in Singen / Hohentwiel. Nach dem Abitur (1992) am Hochrhein-Gymnasium Waldshut Studium von 1992 bis 1998 der Geschichte und Volkskunde in Eichstätt / Bayern und in Freiburg i. Br. 1998 Magisterarbeit zum Thema "Die Revolution von 1848 / 49 und ihre Beteiligten in den Nachbarstädten Waldshut und Tiengen".

Autor des Kapitels über Vormärz und Revolution 1948 / 49 in der "Stadtgeschichte Waldshut im 19. Jahrhundert".
Seit 1996 freier Mitarbeiter am Ritterhaus-Museum Offenburg.

Quelle: Heimat am Hochrhein 24/1999, S. 131
Veröffentlichungen: Grenzüberschreitungen und Abgrenzungen - Der Hochrhein als Grenzregin in der Revolution von 1848 / 49. In: Heimat am Hochrhein 23/ 1998 und 24/1999
"Die ernste Zeit gebietet uns ein ernstes Wort an euch zu sprechen" Waldshut und seine Bürger vom Übergang an Baden bis zur Revolution von 1848/49
In: Waldshut im 19. Jahrhundert: Lebensbilder aus einer großherzoglichen Amtsstadt. Geschichte der Stadt Waldshut Bd. 2, Waldshut 1999, S. 31-49
"Ein guter Vertreter der gedrückten Klasse" - "Ein Hauptwühler im Bezierk Waldshut" Konrad Hollinger.
Daselbst, S. 50 - 54

Hans Mies teilte mir freundlicher Weise für diese Seite das Folgende mit:

Bis zur Pensionierung vor 4 Jahren war ich beim Kulturamt der Stadt Waldshut-Tiengen angestellt. Danach habe ich die wichtigsten der von mir früher bearbeiteten Projekte ehrenamtlich weiterbetreut.
Das tue ich bis heute. Dazu gehört in erster Linie die Redaktion der neuen Waldshuter Stadtgeschichte in 3 Bänden, von der die Bände 2 und 3 bereits vorliegen. Zur Zeit wird der Band 1 vorbereitet (Von den Anfängen bis 1806).
Da
Herr Weiß einer der Autoren ist, kommen wir auch auf dieser Ebene wieder zusammen. Neben der Betreuung der Abo-Konzerte und des Chilbi-Heimatabends, der Zusammenarbeit mit dem Stadtarchivar, der Mitarbeit im Vorstand des
Fördervereins Museum 'Alte Metzig', gibt es noch hundert Dinge, zu denen ich
gefragt werde. Ersparen Sie mir die Aufzählung. Auf diese Weise verbringe ich viele Nachmittage in meinem Büro, das die Stadt mir erhalten hat...

Waldshut am 01.09.2006

hans
wt


























Dr. Joachim Rumpf
Bearbeitet im März 2006


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