Schriften über die Salpeterer im Hotzenwald


Dichtungen

Paul Körber

Salpeterer
Der Freiheitskampf der Hotzenbauern
Einige kritische Anmerkungen zu diesem Freilichtspiel
aus dem Jahre 1935
und über den Dichter

 

Paul

 

Körber war im Erwachsenenalter zu einem Waldshuter Dichter geworden, dessen Verse unter anderem in der Zeitschrift „Badische Heimat“ abgedruckt wurden und der bereits früher mit einem Schauspiel „Kolumban Kayser“ in Lenzkirch bekannt geworden war. Im Jahre 1935 wurde von ihm ein für die Küssaburg-Festspiele verfasstes Stück über die Salpeterer uraufgeführt. Diesem Schauspiel, hatte er zugedacht, zu dem „Landschaftsspiel“ auf der Küssaburg zu werden, „ein Spiel, darstellend Schicksal und Geschehen eines ganzen Volkes, eben der Gemeinschaft jener Salpetererbewegung, wie es wiederum von einer Volksgemeinschaft alemannischer Bluts- und Gemeinschaftsbande soll gespielt werden.“ In Bezug auf seine Kompetenz, dieses Stück zu verfassen, verweist er auf seine „blutsmäßige Bindung mit dem Stoff dieses Werkes“ da Urgroßeltern von ihm in St. Blasien und in Hornberg daheim waren. Außerdem habe er sich „während mehr als zehn Jahre … für diese Aufgabe vorbereitet. Es ist mir heute Genugtuung,“ so fährt er fort, „dass das Dritte Reich mein Planen und Hoffen zur Tat werden ließ.“ (Die Zitate sind der von Koerber verfassten Einführung entnommen).

Die Bemerkung über die „zehnjährige Vorbereitung“ und sein Anspruch, „vom Boden geschilderter Begebenheiten und geschichtlicher Tatsachen auszugehen. Personen, Taten und Untaten, Kämpfe und Siege und schließlich auch den Untergang … so darzustellen, wie es war“ könnten dazu verführen, anzunehmen, dass die Unruhen so verliefen, wie in dem Stück dargestellt. Abgesehen von den Namen der handelnden Personen und dem Bezug auf einige Höhepunkte der Unruhen aber sind Handlungen, Dialoge und dargestellte Charaktere frei erfunden. Die Motive der Bauern, sich an den Salpetererhändeln zu beteiligen sind ebenso von dichterischer Freiheit gespeist, wie die Art und Weise, wie sich die Einzelpersönlichkeiten begegneten. Hier ist zum Beispiel an Hans-Fridle Gerspach und den Eggbauern Johann Thoma zu denken, die beide sowohl vermögend und selbstbewusst als auch noch so eng verwandt waren, dass deren Erscheinungsbild und Beziehungen nicht, folgt man den vorliegenden Quellen, mit denen in dem Schauspiel übereinstimmten. Ohne den von Körber selbst formulierten Anspruch, Geschichte im Spiel abzubilden „wie es war“, wäre dies ja auch weiter kein Schaden, da Dichtung mit der Wahrheit nur recht entfernt verwandt sein braucht. Körber aber tat der Geschichte tüchtig Gewalt an und drückte Ereignisse und Personen, die vom zeitlichen Ablauf, den Motiven und ihren historischen Rollen her weit auseinander lagen so zusammen, dass schlichte Unwahrheiten herauskamen.

Selbst nach mehrfachem Lesen fiel es mir schwer, einen logischen Handlungsaufbau zu erkennen. Wenn die Zuschauerinnen und Zuschauer seinerzeit keine ergänzenden Erläuterungen zur Hand hatten, musste es ihnen sehr schwer gefallen sein, dem Geschehen zu folgen. Im Grunde handelt es sich um eine Aneinanderreihung unverbunden nacheinander stehender Szenen deren Hauptzweck zu sein schien, dem einigenden und allen voranschreitendem Führer zu huldigen:


"Unser Deutschland muss ein Land wieder sein, unter einem, der wo´s führt. Und es muss gar kein Kaiser sein."
"Ein Volkskönig. Einer von uns. Wille und Macht muss er haben."
"Wenn der kommt, stehe ich selber noch einmal auf dem Grab auf und mach mit.
"Unsere Kinder und Kindeskinder schaffen es schon, und wir nehmen jetzt der Aarenn (den Anlauf)..."
(Vierter Aufzug, neunter Auftritt)

"Paul Körber erklärte die Salpeterer zu auserwählten Helden im Kampf um das nationalsozialistische Deutschland", so die Bilanz von Tobias Kies (In: Verweigerte Moderne? Konstanz 2004, S. 435)

 

Paul Körber kam am 20. Januar 1876 in Bleichroda / Thüringen auf die Welt. Seine Mutter stammte aus Bonndorf. Da sie früh verstarb, nahmen ihn ihre Eltern auf. Körber wuchs in Bonndorf heran, wurde später Dentist und arbeitete und lebte bis zum Ende des ersten Weltkrieges in Elberfeld. Von dort zog er 1919 nach Unteralpfen. Später ließ er sich als Dentist in Waldshut nieder.
Schon vor 1914 hatte er Gedichte in alemannischer Sprache, verfasst, Erzählungen veröffentlicht und Schauspiele für Laienkunstbühnen geschrieben. Seine erste Erzählung, mit der er sogleich bekannt wurde, hat der junge Adolf Glattacker illustriert. Dem ersten Erfolg schlossen sich weitere an. Nach seinem in alemannischer Sprache geschriebenen ersten Gedichtband "Fürs Gmüet" (1914) wurde er als "begnadeter Dichter" gefeiert, wie es der Mitbegründer des Hochrhein-Geschichtsvereins Fritz Schächtelin in einem Nachruf (Albbote vom 14./15. Juni 1975) schrieb. Nach seiner Rückkehr in unsere Sprachregion schrieb er weiter Gedichte, die u. a. in dem Band "Heimatbrünneli" 1923 abgedruckt wurden. Bekannt wurde er vor allem durch seine Freilichtspiele wie "Der Ritter von Balm" oder das oben erwähnte "Clumban Kayser".
Paul Körber starb 1941. Seine Grabstätte befindet sich in Waldshut auf dem Bergfriedhof.

Auf Körbers Schriften über die Salpeterer geht auch Fritz Schächtelin in dem o. g. Nachruf ein und meint dazu: ""Schon im "Heimetbrünneli" beschäftigte er sich mit den Salpeterern. In dem großen Stück über die tragischen Ereignisse in der Grafschaft Hauenstein konnte er die ganze Spannweite seines dichterischen Könnens und seiner geschichtlichen Kenntnisse verwenden. Er verstand es, die lokalen Ereignisse auf dem Wald in die großen Ereignisse um das Heilige Römische Reich Deutscher Nation mit all seinem Elend und seiner Größe einzuordnen, ohne in landläufige Plattheiten der Zeit zu verfallen..."

 

 

Anmerkung:

Vergleicht man meine oben vorgetragene Analyse mit der Würdigung des gleichen Stückes durch einen anerkannten Heimathistoriker und langjährigem Kreisvorsitzenden der FDP und Gemeinderat in Waldshut, der 1975 knapp sechzig Jahre alt war, dann wird die völlig unterschiedliche Sicht- und Erlebensweise deutlich, die Leser haben können, wenn sie - und dies scheint mir einer der entscheidendsten Gründe zu sein - in verschiedenen historischen Perioden ihre Lebenserfahrungen machten und ihre Sinn- und Wetorientierungen erwarben. Am Beispiel des inzwischen verstorbenen Fritz Schächtelin lässt sich recht gut nachweisen, dass in der Bundesrepublik bis in die siebziger Jahre hinein eine schwarz-weiß-rot bis bräunlich schimmernde Ideologie in bürgerlichen Bildungsschichten dominierte, vor deren Hintergrund due deutsche politische Geschichte und Kultur sowie ihre Exponentenen betrachtet und bewertet wurden.

 

 

Literatur: Gustav Häusler: Drei alemannischen Dichtern zum Gedächtnis. In: Heimat am Hochrhein. Schriftenreihe des Landkreises Waldshut (Hrsg.) Nr. 1 1963/64; S. 114 - 119.
Küssaburg-Festspiele 1935: Salpeterer. Der Freiheitskampf der Hotzenbaueren anno 1719-1755 von Paul Körber.
Ein heimatliches Freilichtspiel der deutschen und schweizer Gaue am Hochrhein. Oberlauchringen 1935

Dr. Joachim Rumpf
79733 Görwihl
28.02.2007

 

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