Über die Salpeterer im Hotzenwald
Historiker und Heimatforscher


Wolfgang Hug

 


Professor Dr. Wolfgang Hug, seit 1994 emeritierter Professor für Geschichte an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg, ist nicht nur ein hervorragender Geschichtsdidaktiker, sondern ein profilierter Verfasser historischer, vor allem landeskundlicher Schriften.

 

"Seit Beginn der 1970er Jahre, so schrieb mir Wolfgang Hug in einem Brief vom 21. Mai 2004, "habe ich mich vermehrt der Landesgeschichte zugewandt. Erschienen sind seitdem zahlreiche Beiträge zur Geschichte der Stadt Freiburg (u. a. in der dreibändigen "Geschichte der Stadt Freiburg"), zur Geschichte der Erzdiözese Freiburg, zu einzelnen Aspekten der badischen und baden-württembergischen Geschichte. Als besonderer Erfolg erwies sich die von mir verfasste "Geschichte Badens" (Theiß Verlag 1992, 2. Auflage 1998".

 

 

Zu diesem Buch ist anzumerken, dass es für jeden, der sich mit der Geschichte dieses Landesteils von Baden-Württemberg vertraut machen möchte oder zu bestimmten Fragen aus der Geschichte Badens Antworten sucht, inzwischen unverzichtbar geworden ist. Doch nicht dieses Buch allein machte Wolfgang Hug weit über die Grenzen unseres Bundeslandes hinaus bekannt! Es sind vor allem seine Unterrichtswerke, die bereits mehrere Schülergenerationen begleiteten und für viele Geschichtslehrer unentbehrlich wurden.
In dem Geschichtswerk "Menschen in ihrer Zeit", das seit 1970 im Ernst Klett-Verlag Stuttgart erschien, zeichnete er gemeinsam mit Erhard Rumpf für den 3. Band (Im Mittelalter" verantwortlich.
Wenige Jahre später gab er selbst ein Geschichtswerk heraus: Die "Geschichtliche Weltkunde" (beim Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt/M., Berlin und München. Erste Auflage 1979); sie war eine herausragende Leistung auf dem deutschen Schulbuchsektor. Wolfgang Hug und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgten mit ihrer wissenschaftlichen Dignität, wie zum Beispiel der Quellentreue, dem nachweisbaren und gelungenem Bemühen um Objektivität in der Auswahl und Darstellung historischer Ereignisse, die sich allein dem Anliegen eines humanistischen Menschenbildes verpflichtet weiß und keinerlei tagespolitischer Tendenzen sowie in der Lesbarkeit und Gestaltung, für neue Maßstäbe (vgl. dazu auch die entsprechenden Hinweise auf der Seite über Thomas Lehner!) . Ein Historiker - Kollege an der PH Freiburg bezeichnete dieses Werk als "Bahnbrechend auf dem Gebiet des Schulbuches". Diese Bewertungen kann jeder leicht nachvollziehen, der einmal eines dieser Geschichtlichen Unterrichtswerke neben jene legt, die unter anderen in den gleichen Schulbuchverlagen 1951 oder 1957 erschienen waren und die vielen Schülern, zum Beispiel in Gymnasien, als Arbeitsmittel zugemutet worden waren.
Dieses Werk ist in allen Bundesländern für alle drei Schularten zugelassen. Selbstverständlich auch später in den neuen Bundesländern. "Ergänzend (oder alternativ) brachte ich dann mit neuer Konzeption das Schulbuchwerk "Unsere Geschichte" heraus, das sowohl in dreibändiger wie auch in vierbändiger Form vorliegt" (aus dem Brief v. 21.05.04).

 

Wolfang Hug ist mir in seiner Eigenschaft als Geschichtsdidaktiker in guter Erinnerung. Er galt unter den Studierenden als ein Experte für alle Antworten auf Fragen zum Unterricht, wie zum Beispiel: Mit welchem Ziel sollte ein Kind was im Geschichtsunterricht lernen und welche Mittel und Methoden sind am ehesten geeignet, dass es das auch gern und gut tut. Meine persönliche und positiven Erinnerungen an ihn speisen sich aus unmittelbarem Erleben, da ich von 1965 bis 1968 bei ihm Geschichte im Hauptfach studierte und später, 1972 und 1973 und noch einmal 1989 mit ihm im Zusammenhang mit Examina in Kontakt war.
Aus meinen Erfahrungen mit dem Hochschullehrer Wolfgang Hug möchte ich einige persönliche Anmerkungen einfügen:

 

"Damit gehen wir zum Hug", mit dieser Ankündigung von studentischen Vertretern war keine Drohung gemeint. Vielmehr war für uns selbstverständlich, dass wir mit allen Anliegen zu ihm kommen konnten und Rat und Hilfe erhielten. Es gab noch eine verfasste Studentenschaft gab, als Wolfgang Hug zwischen 1965 und 1967 Prorektor und Herr Professor Karl-Otto Frank Rektor waren. Wir Studentinnen und Studenten fühlten uns für alles, was an der Hochschule geschah, mitverantwortlich. Ich selbst gehörte während dieser Zeit zwei Jahre lang dem Studentenrat an und vertrat die Studentenschaft im vom Senat eingerichteten Disziplinarausschuss. Blättern wir in dem Informationsblatt "PH aktuell" und in der Studentenzeitung "Begegnung", die wir herausgaben, dann lässt sich nachweisen, dass die Studentenvertretungen von Seiten des Senats und Rektorats in ihren Bemühungen unterstützt wurden, die in ihrer Mehrzahl überaus angepassten und schweigenden Studentinnen und Studenten, zu mehr hochschulpolitischem Engagement anzuregen. Die AStA-Vorsitzenden Georg Alt (später Rektor in Murg/Baden) und Wolfgang Gabriel (später Rektor in Schopfheim/Wiesental) würdigten in Ihrem Rechenschaftsbericht am 26. Juli 1966 ausdrücklich die "Aufgeschlossenheit und das Entgegenkommens" des Rektorats. In diesem Zusammenhang gab es überhaupt keine Frage: Dr. Hug hatte für uns stets ein offenes Ohr. Ich möchte feststellen, dass er uns vormachte, was es heißt, vom Gegenüber her zu denken. Dem Verstehen historischer Sachverhalte, das er uns vermittelte, gesellte sich das Verstehen des Anderen hinzu; besonders all jener, die von uns im Rahmen eines pädagogischen Verhältnisses erzogen und gebildet werden.

Wir späteren Lehrer mit dem Hauptfach Geschichte lernten von Wolfgang Hug
- alle Erscheinungen auch historisch zu begreifen und auf diese Weise
besser zu verstehen;
- historisches Verstehen als eine Voraussetzung für die Chance eventuell
nötiger Veränderungen zu begreifen;
die Bereitschaft, an Veränderungen konstruktiv mitzuwirken und für
das eigene Tun und Lassen in diesem Prozess die Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Dass Wolfgang Hug auch der Regionalgeschichte große Beachtung widmete, das zeigte er unter anderem mit seinem Interesse an den Ereignissen um die Salpeterer. Wie er zu diesem Thema kam, das schreibt er in dem oben bereits erwähnten Brief:


"Ich habe im Wintersemester 1950/51 das Studium der Fächer Deutsch, Geschichte und Latein sowie Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg begonnen. Im 4. Semester wurde Geschichte mein Hauptfach. Ich nahm im Sommersemester 1952 an einem Ausbildungslehrgang als Staatlicher Archivpfleger teil und gewann dadurch Zugang zur Orts- und Regionalgeschichte mit entsprechenden methodischen und inhaltlichen Kenntnissen der Archivnutzung. Im Wintersemester wechselte ich an die Ludwig-Maximilians-Universität München, besuchte dort ein Hauptseminar bei Professor Franz Schnabel und bekam von ihm folgendes Thema für ein Seminarreferat gestellt: "Die Salpetererunruhen, eine altrechtliche Bewegung des 18. Jahrhunderts". Schnabel erzählte mir vom Autor einer grundlegenden Arbeit, die ich benutzen sollte, nämlich Günther Haselier, und auch davon, dass dessen Buch über die Salpeterer beim Luftangriff auf Karlsruhe bis auf wenige Exemplare verbrannt war… Die besondere Beziehung zum Hotzenwald und seiner Geschichte wurde… durch meine erste größere Seminararbeit im Studium grundgelegt. In der an den Hotzenwald angrenzenden Landschaft beheimatet (Wolfgang Hug stammt aus Stühlingen und ging in Freiburg zur Schule, J. R.), haben mich Landschaft, Kultur und Geschichte dieser Region weiterhin zu zahlreichen Besuchen, Wanderungen und Besichtigungen veranlasst, was sich in diversen Beiträgen in den Jahresbänden "Heimat am Hochrhein" und anderen Sammelwerken niederschlug. Zuletzt ist in diesem Zusammenhang der Band "Im Hotzenwald. Ein Kultur- und Naturführer" (Freiburg 2001) von mir erschienen".

Über seine Laufbahn als Wissenschaftler teilt Wolfgang Hug weiter mit:

"Meine Studienabschlüsse (Staatsexamen in Freiburg 1954/55 und Promotion "summa cum laude" in München 1957, letztere mit einer Dissertation "Elemente der Biographie im Hochmittelalter. Untersuchungen zu Darstellungsform und Geschichtsbild der Viten vom Ausgang der Ottonen bis zur Stauferzeit") erlaubten mir sowohl eine pädagogische als auch wissenschaftliche Laufbahn. Ich entschied mich zunächst für den Lehrerberuf. Im Max-Planck-Gymnasium in Lahr, am Droste- und am Keplergymnasium in Freiburg unterrichtete ich als Studienreferendar bzw. als Assessor die Fächer Deutsch, Geschichte, Latein und Gemeinschaftskunde. Meine Referendararbeit über Das geschichtliche Interesse in der Unterstufe des Gymnasiums" wurde in der Zeitschrift "Geschichte in Wissenschaft und Unterricht" gedruckt. 1960 wechselte ich für zweieinhalb Jahre zur Deutschen UNESCO-Kommission nach Köln als pädagogischer Referent. Danach bekam ich fast gleichzeitig Rufe an die Pädagogische Hochschule Berlin und die neu gegründete Pädagogische Hochschule Freiburg. Ich entschied mich für letztere und begann im Sommersemester 1962 meine Lehrtätigkeit als Dozent für das Fach "Geschichte und ihre Didaktik".

Wolfgang Hug war damals eiunddreißig Jahre alt. Hier noch einmal eine persönliche Bemerkung: Ich bin froh, dass er sich für Freiburg entschied. Ohne ihn wäre mein Interesse an der Geschichte nicht weiter gewachsen. Und er war es auch, der mir, genau so wie ihm einst Franz Schnabel, eine Arbeit über die Salpeterer vorschlug. Doch ging es dann um die Salpeterer des neunzehnten Jahrhunderts. Zum Schluss dieses Porträts kommt Wolfgang Hug noch einmal zu Wort, wenn er über seine wissenschaftlichen und didaktischen Absichten mitteilt:

"… ich (bin) bis heute bemüht, die Geschichte als komplexe Wirklichkeit (mit Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur als tragenden Kräften) zu begreifen und die Zusammenhänge an Details aufzuzeigen, die Details aber auch stets aus den Zusammenhängen zu erklären".

Und zu den Salpeterern schrieb er mir:

"Die Salpeterer-Aufstände waren für mich immer wieder ein Anlass, dem Verhältnis von Politik-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte nachzugehen und die "Große Geschichte" durch die Vorgänge "im Kleinen" zu differenzieren und zu konkretisieren. Dabei handelt es sich m. E. hier um einen bedeutenden Fall deutscher Freiheitsgeschichte, bei dem man sich immer wieder vor einer voreiligen Parteinahme hüten sollte."

 

 

Zum Schluss einige Worte aus der Laudatio, die Herr Adolf Schmid, Landesvorsitzender des Vereins "Badische Heimat" anlässlich eines Empfangs zu Ehren Wolfgang Hugs im Regierungspräsidium Freiburg hielt:

 

"...Ihr 70. Geburttag, lieber Wolfgang Hug, ist - ich sage dies ganz selbstverständlich - ein "badisches Ereignis". Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir in dieser noblen Runde und an diesem historischen Ort mit Ihnen und Ihrer Familie feiern dürfen. Es ergibt sich für uns so eine willkommene Gelegenheit, einen Mann zu ehren und zu würdigen, der schon lange und noch jederzeit mit lebendiger Frische, mit menschlicher Wärme und mit natürlicher Autorität zu vermitteln versteht, was uns an Erfahrung und Können, an Leistungen vergangener Epochen anvertraut wurde. Wir bewundern Ihre Sicherheit und virtuose Sachkunde in allen möglichen Bereichen unserer Kultur. Aber Sie sind nicht nur ein methodischer Denker und Forscher, sondern auch ein praktisch Handelnder, in politischer und sozialer Verantwortung, in vielen Gremien und Bereichen. Ich darf hier sprechen für den Vorstand unseres Landesvereins "Badische Heimat", wo Sie schon seit über zwei Jahrzehnten im wissenschaftlichen Beirat tätig sind...
Sie sind tief verbunden mit ihrer allemannisch-badischen Heimat. Unser vielfältiges badisches Anliegen ist auch ihr persönliches Anliegen und dass wir dabei jeden zwnghaft badischen Gestus vermeiden, keine fanatischen Identitätssucher sind, verbindet uns sehr. Sie haben ein höchst sensibles Gespür für den "genius loci" dieses Landes, können deshalb lokal da und dort Beziehungen stiften, neue Gestaltungsmöglichkeiten vermitteln, Heimat anbieten. Aber Ihr Definitionsanspruch, was Heimat sein kann, ist dabei nie defensiv, nie abgrenzend, nie ausgrenzend. Denn trotz aller affektiven Bezüge zum "Badischen" schaffen Sie Weite, öffnen Sie Horizonte wie z. B in Ihren Unterrischtswerken, vor allem der "Geschichtlichen Weltkunde"...
Sie sind - nehmen Sie´s schlicht zur Kenntnis - eine Zierde unserer "Badischen Heimat", weil Sie in Wort und Werk ganz natürlich und beispielhaft "badische Identität vorleben, als bekennender Badener überzeugen..."

 

Weitere Hinweise auf Literatur über Prof. Dr. Wolfgang Hug:
Renzension zu Büchern Wolfgang Hug: z. B. von Volker Bauermeister in der BZ vom 12. 3. 2004 über den Band "Schöne Frauen des Freiburger Münsters", Freiburg 2004
Die Einleitung zur Festschrift "Geschichte erforschen, erfahren, vermitteln", zu Wolfgang Hugs 60. Geburtstag 1991 Schäuble Verlag Rheinfelden/Berln 1992).

 

 

 

Von links nach rechts: Herr Adolf Schmid, Frau Hug, Herr v. Ungern-Sternberg, Herr Prof. Hug
Foto von Hermann Althaus: aus Badische Heimat Nr. 4 / 2001, S. 694


Quellen:

Krautkrämer, Elmar: Wolfgang Hug im Ruehestand. In: PH-FR Zeitschrift der Pädagogischen Hochschule Freiburg 1994/2 S. 25 - 26
Rumpf, Joachim: Professor Hug: Persönliche Erinnerungen eines ehemaligen Studenten
Ausführungen aus Anlass seiner Emeritierung in der PH Freiburg 30. 11. 1994
(unveröffentlicht)
Schmid, Adolf: Prof. Dr. Wolfgang Hug zum 70. Geburtstag. In: Badische Heimat Nr. 3 / 2001, S. 507 - 509

Dr. Joachim Rumpf
79733 Görwihl im August 2004