Dr.
Christoph Schmieder gibt seiner kurzen Würdigung in der Badischen Heimat
3 / 2001 , der auch das neben stehende Bild entnommen ist, die Überschrift:
"Dr.
theol. h. c. Jakob Ebner (1873 - 1960). Priester und Geschichtsschreiber des Hotzenwaldes".
Nun
ja, Priester war der Oberpfarrer Jakob Ebner ebenso, wie er aus dem Hotzenwald,
dem Dorf Unteralpfen, stammte. Und zum Geschichtsschreiber wurde er auch. Doch
im Hotzenwald hatte er keine Pfarrei. Hier zunächst einige Lebensdaten:
1893 stellte Jakob Ebner den Antrag, ins Erzbischöfliche Konvikt "Collegium
Borromäum" in Freiburg aufgenommen zu werden. In Freiburg auch erhielt
er bereits vier Jahre später die Priesterweihe und amtierte, zunächst
als Vikar später als Pfarrverweser und Pfarrer in Unadingen, Stühlingen,
Pfullendorf und Sipplingen, bis er 1903 Pfarrer von Bietingen wurde, wo er siebzehn
Jahre hindurch blieb. Unterbrochen freilich von den Kriegsjahren, als er sich
nach Kriegsausbruch freiwillig als Seelsorger und Sanitäter zum Kriegseinsatz
meldete. Bereits in den ersten Kriegsmonaten zeichnete er sich in der Verwundetenpflege
in vordersten Linien so aus, dass er die ihm höchste mögliche Kriegsauszeichnung,
das Eiserne Kreuz, erhielt. Nach Ende des Krieges ging er zurück nach Bietingen
von wo er im März 1921 als Anstaltspfarrer nach Bruchsal kam. Schmieder bemerkt
dazu, dass es für den passionierten Heimatforscher diese Stelle ideal (war),
denn die - wiewohl psysisch sicherlich nicht leicht zu bewältigende - Arbeit
als Gefangenenseelsorger ließ ihm genügend Zeit, zum Stammgast im Generallandesarchiv
Karlsruhe zu werden, wo er sich mit Fleiß, Akribie und großer Ausdauer
an die Sichtung und Auswertung der umfangreichen Überlieferung zur Geschichte
des Hotzenwaldes machte und Exzerpte und Abschriften in großer Zahl und
von teils beträchtlichem Umfang anfertigte - ohne freilich damit wirklich
fertig zu werden. Seine drei Schriften über
die Salpeterer freilich, die hatte er veröffentlichen können. Eine Einführung
befindet sich auf dieser Homepage. |

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Konrad Sutter berichtete im Alb-Boten Nr. 252 vom 31. 10. 1970, dass Ebner von
einem Gefangenen bei den neuen Machthabern denunziert worden war und darum als
Gefängnispfarrer in den Ruhestand geschickt wurde. Das war für Ebner
schmerzlich, weil er nun den unmittelbaren und recht bequemen Kontakt zum Generallandesarchiv
verlor. Ebner übernahm die kleine Diaspora - Pfarrei in Grenzach, die ihm
ebenfalls genügend Zeit zu historischer Arbeit ließ. Eine Frucht dieser
Jahre ist die veröffentlichte Grenzacher Chronik. In Grenzach trat er 1941
mit achtundsechzig Jahren in den Ruhestand und kehrte nun erst wieder in seine
Heimat nach Unteralpfen zurück. Dort starb er neunzehn Jahre später
hoch betagt und hoch geehrt. So wurden ihm bereits 1947 anlässlich seines
goldenen Priesterjubiläums die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät
der Universität Freiburg verliehen und 1958 erhielt er ein Bundesverdienstkreuz.
In den
letzten Lebensjahren erwählte Ebner sich den jungen Allgemeinmediziner Dr.
Bruno Feige, einem gebürtigen Waldshuter und engagierten Katholiken, zum
Hausarzt. Im Mai 2008 erzählte mit der heute Sechsundachtzigjährige
Dr. Feige, der zu den Gründern unseres Heimatmuseums gehört, von dem
vergeblichen Wunsch Ebners einhundert Jahre alt werden zu wollen. "Das habe
ich nicht geschafft", meinte Feige und setzte schmunzelnd hinzu: "Das
hat er mir sicher übel genommen". Immerhin lässt Ebners Wunsch
darauf schließen, dass er sehr gern gelebt und es nicht eilig hatte, sich
zu seinem Herrgott zu begeben.
Dr.
Ebner hat dem historisch interessierten Dr. Feige viel von seiner Arbeit in Bruchsal
erzählt. Ein Detail verdient, überliefert zu werden und in diesem Punkt
den Bericht von Christoph Schmieder zu ergänzen.
Mit
außerordentlichem Fleiß und - von Jakob Ebner auch mit bemerkenswerter
Akribie - wurden Dokumente in den Archiven, vor allem im Generallandesarchiv in
Karlsruhe, durchgesehen. Ebner gibt über viele Seiten zum Beispiel Verhörprotokolle
und die Korrespondenz Beteiligter wieder. Dr. Bruno Feige erzählte mir (am
2. April 2008), was ihm Ebner berichtet hatte:
Unter
den Zuchthäuslern, die Ebner seelsorgerisch zu betreuen hatte, befanden sich
auch kluge, akademisch gebildete Leute. Die waren ihm dankbar, als er geeignete
und interessierte Männer aus diesem Kreis auswählte, die für ihn
die Kopier- und Übersetzungsleistungen erbrachten. Ebner war es offenbar
damals möglich, die Aktenbündel aus dem Generallandesarchiv im benachbarten
Karlsruhe auszuleihen und die Aktenstücke, die er ausgewählt hatte,
abschreiben zu lassen. Die Gefangenen, die diese Texte im Zuchthaus kopierten,
waren froh, für einige Stunden vom Zuchthausalltag befreit zu sein, Abwechslung
zu haben und anspruchsvolle Arbeit erbringen zu dürfen. Dr Feige vermutet,
dass der Nachlass von Jakob Ebner, zu denen auch die Originalabschriften gehören
müssten, im erzbischöflichen Diözesanarchiv in Freiburg aufbewahrt
wird.
Eine
wahre Fundgrube sind diese Abschriften, von denen ein großer Teil nun gedruckt
vorliegt, für einen Historiker, der auf diese Weise erfährt, wo in den
Archiven welche Dokumente zu finden sind. Zweifellos haben auch die Wissenschaftler,
die sich später mit den Ereignissen beschäftigten, wie Wolfgang Hug,
Tobias Kies, Karl-Peter Krauss oder David Luebke aus den Schriften von Jakob Ebner
und Emil Müller-Ettikon einige brauchbare Hinweise auf die Quellen erhalten.
Gerade die Sorgfalt, mit der Ebner sein Material zusammentrug wird von allen gewürdigt,
die über ihn berichten. Wenn ich zum Beispiel an die oben erwähnte Chronik
von Grenzach denke, wird deutlich, wie sehr es Ebner darum ging, eben die von
ihm gesammelten Quellen abzudrucken. Doch die Aneinanderreihung von Quellen bzw.
Dokumenten und Dokumentauszügen geht zu Lasten der Erzählung. Positiv
deutet Brigitte Matt-Willmatt an, was mir das Studium der Schriften Ebners erschwert:
"Geschichte und Schicksal des Hauensteiner Landes und Volkes waren ihm Herzenssache,
und über den Weg der wissenschaftlichen Forschung wollte er als Chronist
zum Herzen seiner Landleute sprechen. Das erklärt die der Quellenforschung
und Darstellung nach gewissenhafte Abfassung der einzelnen Kapitel seiner Ortsgeschichten,
die andererseits eine übersichtliche methodische Bearbeitung vermissen lassen"
(In: Badische Biographien, Neue Folge Band II, Stuttgart 1987, S. 72-73). Ich
denke, dass man sich vor Augen halten muss, dass Jakob Ebner in seiner Eigenschaft
als Historiker ein Autodidakt war und ihm, da er die meisten seiner Schriften
im Selbstverlag herausgab, auch kein Lektor zur Seite stand, der auf die Systematik
in der Darstellung, auf Stil oder Verständlichkeit hätte achten müssen.
Dass er aber anders, sehr mitreißend und gut lesbar schreiben konnte, das
verraten uns seine Lebenserinnerungen. Die sind als drei gewichtige und in Leder
gebundenen Bände heute im Besitz seiner früheren Haushälterin in
Oberalpfen.
In
der Erinnerung lebt Jakob Ebner vor ihrem "geistigen Auge der ernste, würdige
und gütige Mann mit dem großen Hansjakobshut und dem langen schwarzen
Priesterrock, der hinreißend erzählen konnte" schreibt Paula Zwernemann,
die mit ihm verwandt ist ("Jakob Ebner - was war das für ein Mensch?"
In: Badische Heimat, Nr. 3 / 2001, S. 458 - 466). Die in Oberalpfen in einem Bauernhof
beheimatete Sozialarbeiterin beschreibt sehr überzeugend und anschaulich
das Wesen ihres Großonkels, der häufig Gast in ihrer Familie war. So
erfahren wir, dass der sonst so souveräne Mann recht ungehalten werden konnte,
wenn er bei seinem Lieblingsthema, der Heimatgeschichte, von Autoren erfuhr, die
ohne eigene Forschung ideologisch eingefärbte Interpretationen geschichtlicher
Ereignisse veröffentlichten. Besonders die Salpetererunruhen boten für
derartige Zwecke ein reichhaltiges Material an. Die Deutung der Nationalsozialisten,
die die Salpeterer als ihre Vorläufer bzw. Ahnen betrachteten, ärgerte
ihn sehr. Wie unterschiedlich dieses Theaterstück eingeordnet wird, berichtet
Paula Zwernemann, wenn sie darauf hinweist, dass sogar noch in den siebziger Jahren
des vergangenen Jahrhunderts von Thomas Lehner das Stück des Heimatdichters
Paul
Körber über die Salpeterer als die "bis heute nachhaltigste
Information der älteren Hotzenwälder über die Rebellion ihrer Vorfahren
(Thomas Lehner: Die
Salpeterer. Freiburg 3/2000, S. 19) bezeichnet wurde. Es ist genau die Dichtung,
die Ebner als "Machwerk der Nazis verurteilt" habe (Zwernemann, S. 461).
Da
ging es schon friedlicher zu, wenn der Oberpfarrer Ebner von seinen Bienen erzählte,
deren Zucht er sich mit großer Leidenschaft widmete und sehr interessant
darüber erzählen konnte. Bereits im ersten Weltkriege war er wiederholt
gebeten worden, "vor Soldaten Vorträge über dieses Thema zu halten,
Veranstaltungen, die sich offenbar großer Beliebtheit erfreuen. Von ihnen
profitieren seine Kameraden ebenso, wie von der praktischen Anwendung seiner Kenntnisse"
berichtet Cornel F. Hirth in seinem Aufsatz "Herr Pfarrer, sie werden ein
strammer Soldat" (in: Badische Heimat, 3 / 2001, S. 470 - 473).
Hingegen
waren seine Erlebnisse als Zuchthauspfarrer von Bruchsal, in dessen Eigenschaft
er zahlreiche Todeskandidaten zur Hinrichtungsstätte zu begleiten hatte,
alles andere als erbaulich. Paula Zwernemann hatte den Eindruck, dass ihn jedes
Einzelschicksal sehr bewegte und er kein einziges vergaß. Die mit der Todesstrafe
und ihren Anlässen zusammenhängenden Erfahrungen hatten ihn, so vermutet
Paula Zwernemann, sehr belastet. Gerade die Jahre nach dem ersten Weltkrieg, als
Leute wegen - aus heutiger Sicht - relativ geringfügiger Vergehen, sterben
mussten, haben ihm schwer zu schaffen gemacht.
Ausgleich und Ablenkung suchte
und erfuhr er in seinen historischen Studien. Bis in die letzten Lebensjahre hinein
arbeitete er an seinen Schriften, von denen die meisten im Literaturverzeichnis
aufgelistet sind. Über seine Salpeterer-Arbeiten ist eine gesonderte
Seite erarbeitet.
Auch
über Jakob
Ebner findet sich eine Seite auf der Homepage von Markus Jehle in Gurtweil.
Dr.
Joachim Rumpf
79733 Görwihl im August 2004
aktualisiert
im Juni 2008