Heimatkundliches über den Hotzenwald und seine Umgebung

 

 

Dr. Bruno Feige
einer der Väter des Heimatmuseums

 

 

 

 

In der Jahreshauptversammlung des Museumsvereins am 19. März 2007 übergab der Ehrenvorsitzende des Vereins seine Autobiographie der Öffentlichkeit. Aus diesem Anlass wurde die folgende Einführung vorgetragen:

 

 


 

Dr. Bruno Feige - Erinnerungen

 

 

Vom Waldstadtbub zum Hotzenwalddoktor

 

 

 

 

Es kommt häufig vor, dass Menschen, wenn sie zu denen gehören, die alt werden durften, von sich sagen: "Ich könnte ein Buch über mein Leben schreiben. Was ich alles erlebt habe…"
Doch die meisten von uns bleiben bei diesem Gedanken stehen. Nur relativ wenige schreiben überhaupt gelegentlich auf, was sie erlebt haben. Und nur im Ausnahmefalle wird aus der Möglichkeit ein Buch zu verfassen, eine Realität.
So ist es auch bei unserem, von uns allen Hochverehrten Ehrenvorsitzenden Dr. Feige. Er hat sich doch tatsächlich eines Tages einen Computer angeschafft, sich kurz einweisen lassen und begonnen, seine Lebenserinnerungen niederzuschreiben. Denn das, was er sich einmal vorgenommen hat, das führt er auch durch.
Und wenn ich diese Aussage an den Anfang der Einführung in Dr. Feiges Buch stelle, dann weiß jeder unter uns, dass das nicht einfach so daher geredet ist. Wir lernten Dr. Feige, der noch bis vor wenigen Jahren der Hausarzt vieler Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde war, als einen Mann kennen, der immer genau wusste was er will und was seinen Patienten gut tut. Dieses Wissen schafft Vertrauen und Vertrauen in sein medizinisches Wissen und Können braucht ein Arzt, um mit Erfolg einwirken zu können.
Doch auch unsere Zusammenkunft heute ist ein lebhaftes Beispiel dafür, wie konsequent er einmal gesteckte Ziele verfolgt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Günther Romacker, mit dem Rektor Paul Eisenbeis oder unserem langjährigen Rechner Hans Götz wurde mit tatkräftiger Förderung durch das Rathaus dieses Heimatmuseum realisiert. Und wenn ich "Rathaus" sage, dann meine ich vor allem zwei, die die Geschicke der Gemeinde über zwei Jahrzehnte lang führten und dabei ein so gutes, aufeinander abgestimmtes Gespann bildeten, dass unseren Gemeinderäten kaum Gelegenheit geboten wurde, dem Bürgermeister Harald Scheuble und seinem Ratsschreiber Gundolf Hermann in die Parade zu fahren. Woher ich das weiß? Nun aus den Lebenserinnerungen unseres Doktors. Er gehörte immerhin etliche Jahre dem Gemeinderat an. Und dieser Zeit und seinen Erfahrungen dort, gehören ebenso einige Abschnitte seiner Erinnerungen, wie seinem Einsatz als Pfarrgemeinderatsvorsitzenden und in anderen Gremien.
Und genau das wird für viele Menschen in unserer Gemeinde, in Waldshut und an anderen Orten ein hinreichend starker Anlass sein, sich neugierig auf das Buch zu stürzen: Was steht da über mich drin? Steht da was über mich drin?

Nun, unser Dr. Feige war sehr diskret. Da steht eigentlich über niemanden etwas drin, was nicht ohnehin jeder weiß. Denn in der Hauptsache hat Dr. Feige ein Buch über sich und sein Leben geschrieben und - nicht zuletzt auch für sich selbst!

Wer sich hinsetzt, um seine Erlebnisse und Erfahrungen zu Papier zu bringen, der muss zwangsläufig über sich selbst nachdenken. Er legt sozusagen vor sich selbst Rechenschaft ab. Da Dr. Feige diese Selbstreflektion veröffentlicht, tut er das auch vor uns, also "öffentlich". Sobald der Text gedruckt vorliegt, kann er kein Wort mehr zurücknehmen. Das wusste er vorher. Also hatte er sorgfältig zu prüfen und abzuwägen, was teile ich mit, was lasse ich lieber weg. Und was das "Weglassen" betrifft, hat ihm bereits seine Familie Beschränkungen auferlegt und dafür gesorgt, dass sie nur gleichsam am "Rande" erwähnt wird. Seiner Rolle als Familienvater und Ehemann freilich widmet er etliche sehr selbstkritische Anmerkungen und legt großen Wert darauf, die Leistungen seiner Ehefrau Rotraud ins rechte Licht zu stellen.
Das war es dann auch schon.

Ausführlich hingegen sind die Schilderungen über das Heimatmuseum, seine Entwicklung und über die Ausstellungen. Daran merkt der Leser so richtig, woran Herz und Interesse in den vergangenen dreißig Jahren außerhalb der Familie hingen. In diesen Zusammenhängen wird auf Botschaften nicht verzichtet.
Damit deute ich auf ein weiteres Grundmotiv von Autobiographien: Das ist der offen ausgesprochene oder auch nicht voll bewusste Wunsch, die eigenen Erfahrungen mögen Anderen etwas mit auf den Weg geben. Aus Dr. Feiges Buch greife ich seine Empfehlungen für eine ausgefüllte und befriedigende letzte Lebensphase ab. Ich darf das so unverblümt zum Ausdruck bringen, befinde ich mich doch in der gleichen Situation. Ich meine uns, deren Leben gekennzeichnet ist von der Dankbarkeit für jeden Tag, den wir noch erleben und den wir als Geschenk betrachten dürfen. Ein Geschenk wird nicht als lästig und abwertend beiseite getan sondern angemessen gewürdigt. Dr. Feige würdigt sein Alter, in dem er ebenso kreativ wie produktiv ist und empfiehlt das auch uns.
Es scheint mir, als haben sich mit dem Ende seiner ärztlichen Tätigkeit, an der er sehr hing und die ihn voll erfüllte, die Schleusen geöffnet, die ihm seine schöpferischen Möglichkeiten in ihrer Vielseitigkeit bis dahin gar nicht bewusst werden ließen. Vermutlich auch darum, wie noch zu zeigen ist, weil er weder Zeit noch Muße hatte.
Gewiss hat er bereits in früheren Jahren gern zur Feder gegriffen und sich in Prosa und Poesie - vor allem bei entsprechenden Gelegenheiten -, mitgeteilt. Doch nun kann er - kaum eingeschränkt - seine Zeit nutzen und - zum Beispiel so viele Bilder malen, dass sie bald jede Wohnung in unserer Gemeinde schmücken. Auch die Sonderausstellung in diesem Jahr wird uns einen Einblick in sein malerisches Schaffen geben.

In jeder Autobiographie erfahren die Leserinnen und Leser etwas über das Werden des Schreibers aber zugleich auch über die geschichtlichen Hintergründe der jeweiligen Zeitabschnitte und die Faktoren, die einen Lebenslauf beeinflussen.

Dr. Bruno Feige wurde 1922 in Lörrach geboren. Und wir erhalten einen Einblick in die Welt von vorgestern, so, wie sie nur noch wenigen unter uns vertraut ist.

Staunend lesen wir, dass in den zwanziger Jahren der kleine Bruno mit den Kindern aus der Nachbarschaft vor dem Bahnhof Waldshut auf der heutigen B 34 mit Murmeln spielen konnte. Sogar ein Foto mit diesem Motiv ist erhalten, wie überhaupt dieses Buch mit reichem Bildmaterial ausgestattet ist.
Es sind zum Beispiel seine Eltern zu sehen. Herr Dr. Feige fühlt sich sehr stark als Zwischenglied in einer Familie mit reicher Vergangenheit und, was sich an seinen Kindern und Enkeln unschwer ablesen lässt, mit Zukunft. Wir erfahren etwas von Haltungen und Verhaltensweisen bei den in katholischer und badisch-preußischer Tradition herangewachsenen Persönlichkeiten. Eine ungewöhnlich klingende Mischung, die aber bei genauem Hinschauen, in vielen von uns nach wie vor lebendig ist.
Es erhellt sich uns, was diesen Typus einerseits daran hinderte, den Naziparolen zu folgen und andererseits nicht in den Widerstand zu gehen. Diese Passagen haben mich besonders berührt. Erhellen sie doch, wie tief in uns die Scheu davor verankert ist, wider die Obrigkeit aufzumucken.

Der Vater, Gymnasialprofessor und Direktor des Gymnasiums in Waldshut, hatte sich, als bekennender Katholik, dem Zentrum angeschlossen. Das Zentrum war als christlich-katholische Partei 1870 gegründet worden. Ihre Mitglieder wurden nach 1933 verächtlich gemacht und, wenn sie nicht zu den Nazis umschwenkten, aus ihren Ämtern gejagt. Überhaupt wurde, wer sich als Katholik betätigte und zum Beispiel in katholischen Vereinen und Jugendgruppen mitwirkte, unter Druck gesetzt. In Waldshut war es in dieser Beziehung nicht anders, als in anderen Städten, wie Dominik Rimmele 2004 in einem Beitrag in der Zeitschrift unseres Geschichtsvereins Hochrhein nachwies.
Insofern war es nichts Besonderes, dass auch das Zentrumsmitglied und der Katholik Feige aus seinem Amt entlassen und als Gymnasiallehrer nach Freiburg versetzt wurde. Es ist für uns kaum nachvollziehbar, was es für einen Waldshuter und Beamten bedeuten musste, ohne jedes persönliche Verschulden mit einer Versetzung bestraft zu werden.
Eine der Folgen dieser unfreiwilligen Umsiedlung war der spätere Verlust aller Habe bei der Zerstörung der Stadt Freiburg, bei der auch Familie Feige "ausgebombt" wurde. Doch wurde dieser schwere Schlag von der ganzen Familie, deren Situation durch die seit Jahren erkrankte und an den Rollstuhl gefesselte Mutter nicht leicht gewesen war, mit relativer Gelassenheit und Geduld getragen. Der Sohn der Familie war zufällig auf Kurzurlaub in Freiburg und konnte selbst mit Hand anlegen, um der Familie aus den Trümmern herauszuhelfen und dann nach Immeneich in ein ihnen zugewiesenes Notquartier zu bringen.

Warum unser Dr. Feige nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sogar freiwillig zur Wehrmacht ging und dann im Verlauf des Krieges - obwohl im Westen, Osten und Süden an den Fronten - sehr viel Glück gehabt hatte, liest sich ungemein spannend. Dass sich der Entschluss, Medizin zu studieren und sogar Erkrankungen, zum Wohle eines Lebensschicksals auswirken können, das ist in dieser von Dr. Feige als Soldat erlebten Dramatik, wohl nur in Kriegszeiten der Fall.

Nach dem Krieg und dem Abschluss von Medizinstudium und klinischer Praxiszeiten kam er in den Hotzenwald. Vor zweiundfünfzig Jahren blieb Dr. Feige, als er den Arzt Dr. Ohlenforst vertreten hatte, in Görwihl hängen. Gut die Hälfte seiner Erinnerungen ist diesen Zeiten gewidmet. Er ist rückblickend sicher, dass die Entscheidung, in Görwihl zu bleiben und Landarzt zu werden, gut gewesen sei. Wie aber kommt ein junger, damals dreiunddreißigjähriger Arzt bei der Bevölkerung an? Wie wird er integriert? Zum Beispiel in seiner Berufsrolle als Arzt?

Zwei Textauszüge aus der Anfangszeit, sollen die Frage beantworten helfen:
"Vor meinem ersten selbständigen Praxistag hatte ich schon die erste Geburt in Görwihl gehabt. Es wurde mir nachher erzählt, dass Dr. Ohlenforst zwar Hausarzt gewesen war, dass sie aber Dr. Romacker gerufen hätten, weil man ja den "Neuen" nicht gekannt hat. Dr. Romacker war aber leider auf Praxisfahrt und konnte nicht kommen, und so mussten sie doch mit mir vorlieb nehmen. Die Hebamme, die ich später als ganz besonders tüchtig und aufopferungsfreudig kennen lernte, habe nach der Geburt gesagt: "Ich glaube, der kann's auch".
So etwas spricht sich rasch herum!

Ein weiterer Auszug:
"An meine erste Sprechstundenpatientin kann ich mich noch gut erinnern, wie sie ihr vielfältiges Krankheitsbild im Sprechzimmer ausbreitete. Jetzt war ich allein und musste mich zurechtfinden. Mit ihrem psychosomatischen Syndrom hat sie mich und auch einige Fachärzte lange Jahre beschäftigt. Wir sind aber miteinander klar gekommen - und sie lebt, nach über 50 Jahren, heute noch…"

Das ist doch toll! Diese Patientin muss inzwischen bald neunzig Jahre alt sein.
Nehmen wir diese Informationen als Beweis dafür, dass seine ärztliche Tätigkeit gut eingeschlagen ist und von nachhaltigem Erfolg gekrönt war. Niemand von seinen Patienten verspürte etwas von der anfänglichen Unsicherheit und rasch hatte es sich damals herumgesprochen, dass man bei Dr. Feige in guten Händen ist.

"So habe ich gleich gespürt", schreibt er dazu, "dass meine neue Tätigkeit mit großer Verantwortung verbunden und manchmal auch beunruhigend sein wird, wenn ich jetzt in der Praxis selbst Entscheidungen treffen muss, ohne jemand in der Hinterhand zu wissen…"


Doch Dr. Feige lebte hier nicht nur in seiner Berufsrolle als Arzt, sondern auch als Privatperson. Woran erinnert sich heute, wenn er an diese Rolle zurückdenkt?

"Als wir 1955 nach Görwihl gekommen waren, bin ich mit meiner Familie schon nach dem ersten Jahr in der Bevölkerung gut angenommen worden und wurde auch zum Beispiel 1956 schon eingeladen, im neuen Kegelklub mitzumachen. Das ist auf dem Hotzenwald schon eine besondere Anerkennung! Zuerst wurde der Club jahrelang von Fabrikdirektor Kalchofner geführt, und als der im Ruhestand in seine Schweizer Heimat zurückgekehrt war, wurde ich zum Vorsitzenden gewählt. Ich habe das Amt zwanzig Jahre lang geführt, bis unser Club aus Altersgründen zusammengeschmolzen war und sich auflöste…"

Im Grunde müsste dieser Teil der Einführung in die Lebenserinnerungen Dr. Feige nicht mit "Seine Rolle als Privatperson" überschrieben werden, sondern mit größerem Fug und Recht mit: "Seine Rolle als öffentliche Person". Zwar betont Dr. Feige ausdrücklich, dass er sich nie um ein öffentliches Amt bemüht habe, dennoch - oder gerade deswegen - geriet er in ganz zentrale und sehr arbeitsintensive Ehrenämter. Ausführlich erzählt er von seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats, als parteiloses Mitglied für die CDU im politischen Gemeinderat, als Mitglied des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Südbaden, Abrechnungsstelle Konstanz und - last but not least - als Vorsitzender des Vereins Heimatmuseum Hotzenwald.

Er fragt sich selbst heute eher kopfschüttelnd, woher er die Zeit für all diese zumeist parallel und neben den Belastungen als Allgemeinmediziner im Hotzenwald laufenden Verpflichtungen genommen hat. Er fragt auch zu Recht, auf wessen Kosten das gegangen ist! Wenn es auch bei Feiges, wie in den meisten Familie feste Rituale gegeben haben mag, an denen ausnahmslos alle Familienmitglieder teil nahmen, so klingt das Bedauern durch, nicht mehr Zeit mit den Kindern verbracht und die Organisation und Gestaltung des häuslichen Alltags ganz allein seiner Frau überlassen zu haben. Deren Einsatz freilich würdigt Dr. Feige immer wieder. Hat sie doch, um sich ungeteilt der Familie widmen zu können, ihren eigenen Beruf als Pharmazeutin schon früh an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Seit langem hat auch sie - hier ihrem Mann ähnlich (oder war es umgekehrt? Das ist nicht so deutlich erkennbar.) - Herausforderungen in kreativen Bereichen gefunden. Wir alle schätzen ihre zahlreichen Scherenschnitte und Vignetten, wie sie unter anderem die Gedichtbändchen von Dr. Feige schmücken.

Ich möchte - bilanzierend - ihm zustimmen und sagen: er hatte viel Glück - es aber keineswegs leicht gehabt. Insofern ist er ein typischer Zeitzeuge jener Jahre, die uns in den großen europäischen Krieg führten und jener Jahre, in denen wir die Nachkriegszeiten durchlitten. Nichts blieb der Familie Feige erspart aus deren mit großer Geduld und Selbstverständlichkeit getragenem Schicksal heraus der kleine Bruno schon sehr früh wusste, dass er Arzt werden wird. Und das hat er - trotz allem - auch erreicht.

Heimatgeschichtlich interessante Informationen erhalten wir, wenn wir aufmerksam seinem Wirken als Hotzenwalddoktor folgen. Für die in unserer Heimatregion wirkenden Mediziner waren in den Jahrzehnten, als vom Klimawandel noch niemand etwas spürte, die mit den beruflichen Pflichten verbundenen Wege vor allem im Winterhalbjahr genau so schwer zu bewältigen wir für alle anderen, die täglich weite Strecken zurücklegen mussten. Ein interessanter Blick in seinen Berufsalltag wird uns ermöglicht, wobei manche der geschilderten Episoden zum Schmunzeln Anlass geben.

Überhaupt lässt sich festhalten, dass sich diese Lebensgeschichte durch den reichen Humor auszeichnet, die wir alle an unserem Hotzenwalddoktor schätzen. Wenn er, wie ich eingangs bemerkte, das Buch für sich selbst geschrieben hat, so lässt sich immer wieder herauslesen, dass es nicht um eine Selbststilisierung geht, um eine Erhöhung, sondern um einen eher fragenden Blick auf das eigene Leben. Und dabei teilte sich mir mit: "Na ja, mit Gelassenheit und verhaltenem Lächeln kam ich meistens mit mir ganz gut zurecht."

Und noch eine Anmerkung zu der von mir so interpretierten Botschaft dieses Buches:
Vor vier Wochen, am 20. Februar 2007, trug in der Zentrale der Sparkasse Hochrhein in Waldshut der Waldshuter Historiker Dr. Christian Ruch im Zusammenhang mit der Präsentation eines Buches des Dogerner Dr. Martin Kistler über die Einungen im Hotzenwald einige Überlegungen vor (1).
In dem interessanten wie unterhaltsamen Vortrag, sagte Christian Ruch unter anderem
"Waldshuter - so muss ich immer wieder erstaunt feststellen - kennen den Hotzenwald, manchmal selbst von ihnen etwas herablassend als "Hotzechlöpf" bezeichnet, oft erstaunlich schlecht. Sie wissen oft nicht, wo Hennenmatt liegt, Finsterlingen oder Engelschwand. Aus Obergebisbach machen sie Obergebissbach...
Vielleicht liegt diese Unkenntnis einer Gegend direkt vor der Haustür daran, dass Waldshut - ebenso wenig wie Laufenburg und Säckingen - nie zur Grafschaft Hauenstein und damit zum Hotzenwald gehörte? Oder daran, dass die Salpeterer, jene Hotzenwälder Rebellen des 18. Jahrhunderts, Waldshut einmal belagerten? Vielleicht liegt es aber einfach nur daran, dass der Hotzenwald größtenteils abseits der wichtigen Durchgangsrouten liegt...?"
Wenn auch Waldshut nicht zur Grafschaft Hauenstein gehört hätte, so seien doch die gegenseitigen Verbindungen im Laufe ihrer langen Geschichte sehr lebhaft und für die Betroffenen nicht ohne Dramatik gewesen.

Wenn nun Kistlers Buch dazu beitragen könnte, so die Erwartung Christian Ruchs, den Blick der Waldshuter aufmerksamer Richtung Hotzenwald zu lenken, so trägt ohne Zweifel das Buch von Dr. Feige ebenfalls dazu bei, den Waldshutern und den Einwohnern der Dörfer des Hotzenwaldes die, wie ich meine, sehr wohl bekannten gegenseitigen engen Verflechtungen noch einmal beispielhaft zu spiegeln. Allein im Titel kommt das zum Ausdruck und deutet auch die Richtung an:
Von Waldshut aus hinein in (bzw. hinauf auf) den Hotzenwald. Das wird in der Schrift Dr. Feiges recht anschaulich nacherlebbar.

Ich möchte zum Schluss noch etwas darüber sagen, was mir nach der Lektüre dieses Buches von Dr. Feige zum Nachdenken Anlass gibt :

Recht nüchtern stellt hier ein Mensch viele der Rollen dar, die er in seinem Leben gespielt hat, die ihm besonders im Gedächtnis blieben und die er darum für mitteilenswert hält. Im Hier und Jetzt, wenn wir diesem Menschen begegnen, sehen wir nun nicht mehr nur gleichsam die aktuelle Fassade, sondern auch, wie er wurde, was er ist.

Und uns wird bewusst, dass es jedem von uns in unserer Begegnung mit anderen Menschen gleich geht:
Auch wir tragen in uns stets die vielen Rollen mit, die wir spielten oder über die wir uns noch heute definieren, so wie - ich denke hier an den Teil "In Ehrenämtern" - Dr. Feige in unterschiedlichen Rollen wirkte und doch immer die eine Persönlichkeit war und ist.
Mehr noch:
Wenn wir den Lebensbericht aufmerksam lesen, dann spüren wir das Bekenntnis, dass in ihm alle Weggefährten mit leben: die Großeltern, Eltern, Geschwister, Lehrer, Freunde - kurz alle die, an die auch wir uns erinnern, wenn wir danach fragen, wie wir wurden, wie, wer und was wir sind.
Das zum Ausdruck gebracht und uns vor Augen gestellt zu haben, erfahre ich als ein großes Geschenk und einen Gewinn für mich und mein Nachdenken über mich und für die Begegnung mit meinen Mitmenschen.
Vielleicht ist sogar das eine zentrale, übergreifende Botschaft aller Autobiographien: "Schaut auf mein aufgezeichnetes Leben und findet darin meine Einmaligkeit und die vielen Facetten, die diese Einmaligkeit ausmacht! Und nun fasse Dir ein Herz und tue für Dich das Gleiche: Ob Du aufschreibst oder nachdenkst: es wird ein Gewinn sein; für Dich selbst und Deine Mitmenschen".

 

Dr. Joachim Rumpf
19.03.2007

(1) Herrn Dr. Christian Ruch aus Waldshut sei ganz herzlich dafür gedankt, dass er mir das Manuskript seiner Laudatio, die er am 22. Februar 2007 in der Sparkasse Hochrhein in Waldshut aus Anlass der Präsentation von Martin Kistlers Buchveröffentlichung vortrug, zur Verfügung stellte. Die Zitate sind diesem Text (S. 2) entnommen.

 

 

Schriften von D. Bruno Feige

Pflanzennamen im Hotzenwald.
In: Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein e. V. Waldshut. Jg. 2005, S. 20 - 36
Benedikt Herzog, der Stadtchronist von Waldshut.
In: Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein e. V. Waldshut. Jg. 2004, S. 4 - 35
Ein Arzneybuch aus dem Jahr 1819
In: Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein e. V. Waldshut. Jg. 2002, S. 35 - 52

geschrieben und geschnitten
ein Gedichtband mit Scherenschnitten von Rotraud Feige. Görwihl o. J.

 

 

 

Das Ehepaar Rotraud und Dr. Bruno Feige 1972

 

 

Porträt Dr. Feige von Robert Fritz, Görwihl 2005

 

 

 

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