Am Anfang
eine Erfahrung: Eine junge Frau, die vor zwei Jahren mit ihrer Familie von Birndorf
her in unsere herauf nach Görwihl zog, berichtete, dass die Birndorfer Nachbarn
ganz erstaunt waren: "Was, Sie ziehen in den Hotzenwald? In diese Abgeschiedenheit…
zu diesen "Hotzen" (gemeint: Hinterwäldlern)?"
Und wenige
Tage später (am 22.05.2010) bestätigten mir die Angehörigen einer
Familie aus Albbruck, dass für sie der Hotzenwald erst jenseits (westlich)
der Alb beginne.
Die Ostgrenze
des Hotzenwaldes, die historisch-politisch mit der der Hauensteiner Einungen (vorderösterreichischer
Verwaltungsbezirk "Grafschaft Hauenstein") übereinstimmte, verläuft
entlang der Flüsse Schlücht und Schwarza - die Westgrenze am Steilabfall
zum Wehratal hin. Beachtet man aber auf der Suche nach dem "Hotzenwald"
die naturräumliche Gliederung, dann beschränkt er sich in der Tat auf
"die südlichste, vom kristallinen Grundgebirge geprägte Hochflächenlandschaft
des Schwarzwlds, die in mehreren Bruchstufen von über 1.100 m NN bis fast
zum Hochrhein auf ungefähr 400 m NN absinkt" (Körner Helge: "Der
Hotzenwald". Freiburg 2003. S. 3). Die Landschaften westlich (Wehratal und
Dinkelberg) und östlich (Klettgauer Schichstufenland) dieses Grundgebirges
sind klimatisch milder.
Die Hotzenwälder im engeren Sinne, also die Bewohner
auf den Höhen und in den Tälern zwischen der Alb und der Wehra, werden
von allen anderen im Landkreis Waldshut als eine "besondere" Bevölkerungsgruppe
betrachtet. Und wenn jemand von den Bewohnern im Klettgau, im Rheintal oder in
den Städten am Hochrhein als "Hotz" bezeichnet wird, ist das keineswegs
schmeichelhaft gemeint.
Wenn
in den sechziger Jahren Lehramtskandidaten im Landkreis Waldshut ihre erste Stelle
antreten sollten, dann begleitete sie das Mitleid ihrer Studienkollegen in Lörrach
und Freiburg: Dieser Landkreis galt als abgelegen, rückständig, kulturfern
- kurz: als Verbannungsgebiet. Und im Kreis Waldshut wiederum galt diese Einschätzung
besonders für den Hotzenwald.
Es gibt mehrere Schilderungen über
den Hotzenwald, in dem besonders auf die - noch vor wenigen Jahrzehnten üblichen
- harten Winter verwiesen wurde. Körner weist ebenfalls auf die besonders
hohen Niederschlagsmengen hin. Das Gebirge galt als rau und wild, das Leben auf
dem Wald in vergangenen Zeiten als mühselig..
Es
liegt nahe, den Bewohnern dieser Landschaft darum auch ein entsprechendes Wesen
zuzuschreiben. Wolfgang Hug und Klaus Hoggenmüller sagten:
"die
Leute auf dem Wald, die echten "Wälder" jedenfalls, (sind) so zu
verstehen, wie sie sind: knorrig, eigensinnig, karg, bodenständig und zugleich
der Welt aufgeschlossen, anpassungsfähig im sozialen Wandel und doch auf
ihre Eigenständigkeit versessen" (Die Leute auf dem Wald. Stuttgart
1987, S. 8).
Diese
Beschreibung von Historikern findet eine gewisse Entsprechung in der Sicht von
Bewohnern des Landkreises Waldshut. "Wie sehen Sie den Hotzenwald" befragte
zum Beispiel der Journalist eines Werbeblatts einige Personen (am 06.10.2005):
"Am
gewöhnungsbedürftigsten ist für mich der schwierige Dialekt. Außerdem
leben hier Menschen, die eine komplett andere Mentalität haben…"
"Anfangs
ist es schwierig, sich auf die Mentalität der Hotzenwälder zu gewöhnen.
Am Hochrhein trifft man ganz andere Menschen….Trotzdem gefällt mir die
Gegend wunderbar, vor allem die traumhafte Aussicht."
"Reizvoll ist
für mich die schöne Ruhe und vor allem die Landschaft des Hotzenwaldes.
Die ältere Generation ist jedoch sehr konservativ, richtig stur eingestellt.
Bei der Infrastruktur gibt es natürlich auch einiges zu bemängeln…"
"Die
Hotzen sind charakeristisch, aber im ursprünglichen Sinn gibt es sie ja gar
nicht mehr. Durch die vielen Zugezogenen…
Auffällig ist natürlich
die sehr schöne Landschaft…"
Herr
Wolfgang Kuhlmann übersetzte eine Schilderung des Elsässers Charles
Lallemand (1826 - 1904) über den Hotzenwald und seine Menschen. Darin heißt
es,
dass die hauensteinischen Bauern "kämpferische, streitbare Charaktere
seien, ein leidenschaftliches Gefühl für Unabhängigkeit besäßen…sie
repräsentieren einen prachtvollen Volkstypus und sind in ihrer Eigenart von
höchlichem Interesse. Wenn ihnen der Vorteil der bildenden Unterweisung zuteil
wird, entfalten sich bei ihnen beachtliche Fähigkeiten…" (Bad.
Zeitung v. 29.08.1981 / Magazin, S. 3)
Peter
Ade vom Südkurier überschreibt einen Beitrag über den Hotzenwald:
"Volk mit kernigem Humor" und verweist auf den ehemaligen Bundespräsidenten
Heinemann, der die Hotzen darum so sehr mochte, weil sie das Herz auf dem rechten
Fleck hätten.
"Sie wirkten am Anfang wohl etwas zurückhaltend,
fast scheu, bald aber lässt sich hinter einer rauen Schale ein weicher Kern
erahnen. Freundlich, hilfsbereit - der Hotzenwälder sagt, was er denkt. Und
er nimmt vor den "Großen" kein Blatt vor den Mund. Schon gar nicht
vor denen, die meinen, sie seien die Allergrößten…" (7. August
1992).
Diese, wie vor allem
die Zeitungsmeldungen zeigen, Zuschreibungen sind recht oberflächlich, wenig
oder gar nicht konkret und müssen nicht mit der Wirklichkeit und dem Selbstbild
der "echten" Hotzenwälder übereinstimmen.
Sie sind aber
vorhanden und, wenn sie Verhalten bestimmen, gewinnen sie Realität.
Da
mag jemand die traditionelle Schwarzwälder Gebirgsküche bevorzugen,
die, wie Niklas Arnegger schrieb, eine "intakte Leber" voraussetzt (Bad.
Zeitung 20.07.2001). Oder andere suchen einen urchigen (urtümlichen) Bauernhof;
möglichst abgeschieden und so ausgestattet, dass der Besucher aus dem Tal,
einen "Kulturschock" erlebt, wie es die Journalistin Susanne Filz im
Windberghof bei St. Blasien beschriebe, einem Hof, der von einer Familie aus Villingen-Schwenningen
erworben wurde (Bad. Zeitung 15.11.2008
Dem
Hotzenwald wurde und wird von Seiten der Historiker auch darum eine besondere
Aufmerksamkeit zuteil, weil dessen Bewohner sich in bemerkenswerter Weise für
ihre von alters her überlieferten Rechte und Freiheiten einsetzten. Sie standen
im Großen Deutschen Bauernkrieg an vorderster Front, begehrten im siebzehnten
Jahrhundert gegen höhere Abgaben auf ("Rappenkrieg") und krönten
ihren Unabhängigkeitswillen mit den Aufständen, die im 18. Jahrhundert
als "Salpetererunruhen" die Obrigkeiten herausforderten. Es wertete
der ehemalige Präsident des Verwaltungsgerichtshofes in Karlsruhe und Rechtshistoriker
Karl Alexander Stiefel die Salpetererunruhen auf, wenn er in seiner sehr umfangreichen
Geschichte Badens das Kapitel über die revolutionäre Entwicklung 1848/49
(Stiefel, Karl.: Baden 1648 - 1952. Karlsruhe 2/1979, S. 279 - 286) den folgenden
Hinweis auf den südlichen Schwarzwald einbrachte:
"…Es
war der gleiche Boden des deutschen Südwestens, auf dem schon frühzeitig
freiheitliches Gedankengut gewachsen war, auf dem schon um 1500 der Untergrombacher
Bauer Fritz Joß den Geheimbund "Bundschuh" gegründet und
die Abschaffung der Leibeigenschaft, der Zinsen und der Zehnten an Adel und Geistlichkeit,
die Verteilung der Klostergüter unter die Armen und die Freiheit von Jagd
und Fischerei gefordert hatte. Hier im später badischen Raum hatte sich 1525
unter Götz von Berlichingen und Jörg Mezler von Ballenberg der Bauernaufstand
vollzogen… Im Schwarzwald (Hotzenwald) kämpften im 18. Jahrhundert (1726
- 1748) die "Salpeterer". Die Männer der Revolution 1848/49, insbesondere
Friedrich Hecker, leben heute noch in der Erinnerung des badischen Volkes".
Und
ein anderer Historiker meinte zu diesen Salpetererunruhen:
"Zu allen Zeitpunkten
dienten die widersetzlichen Hauensteiner in der publizistischen Rezeption als
Projektionsfläche politischer Weltanschauungen. Stets repräsentierten
die Salpeterer das politische Ideal der tonangebenden kulturellen Eliten"
(Kies, Tobias 2004, S. 448f
).
Und als
Napoleon zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts dieses Gebiet, also die vorderösterreichische
Grafschaft Hauenstein, aus dem Habsburger Reich herauslöste und Baden zuschlug,
regte sich erneut Widerstand. Nur waren es im neunzehnten Jahrhundert nicht in
erster Linie politische, sondern religiöse/konfessionelle Gründe für
das Aufbegehren etlicher Hauensteiner bzw. Hotzenwälder sorgten. Da bemühte
sich z. B. die Verwaltung des evangelischen Großherzogs von Baden gemeinsam
mit dem aufklärerisch orientierten katholischen Klerus um Reformen in der
Kirche wie die Abschaffung vieler kirchlicher Feiertage oder die konsequente Durchsetzung
der Schulpflicht. Von dergleichen Neuerungen aber wollten einige Bauern nichts
wissen und schickten ihre Kinder nicht in die Schule. Diese, am Althergebrachten
festhaltenden, konservativen Katholiken wurden "Salpeterer" oder "Sekte
der Salpeterer" genannt
In der Geschichte des Schulwesens fand im Hotzenwald
also der erste Schulstreik statt. Wenn sich auch ab etwa der zweiten Hälfte
des neunzehnten Jahrhunderts immer weniger Familien an diesem Streik beteiligten,
so hinterließen ihre Beharrlichkeit und Konsequenz einen nachhaltigen Eindruck
in der damaligen Öffentlichkeit und förderten oder begründeten
sogar den Ruf der Hotzenwälder als eigensinnig und störrisch.
Einer
der prominentesten Schriftsteller seiner Zeit, Viktor von Scheffel, gab seine
Eindrücke über diese Hotzenwälder wieder als er schrieb
"Jetzt
hab' ich's wieder mit ein paar finsteren, trotzigen Gesellen vom Wald zu tun,
bei denen jeder Blick und jedes Wort ein Protest gegen den Staat Baden im Allgemeinen
und die Polizeigewalt insbesondere ist. Das sind Salpeterer, die wie eine Erinnerung
aus alter Zeit in die preußisch gefärbte Gegenwart hineinragen; - ein
Stück fossil gewordener Bauernkrieg ..." (Scheffel, Viktor 1855 Reisebilder:
Aus dem Hauensteiner Schwarzwald , S. 261)
Und
einige Jahre später sorgte der katholische Geistliche und viel gelesene Autor
Heinrich Hansjakob mit seiner Schrift "Die Salpeterer. Eine politisch-religiöse
Sekte auf dem südöstlichen Schwarzwald" dafür, dass die Bewegung
der unruhigen Salpeterer des neunzehnten Jahrhunderts im öffentlichen Bewusstsein
blieb. Hansjakob schrieb unter anderem:
"Schon
immer setzten sich Menschen ein für "unveräußerliche, rein
menschliche Freiheitsbedürfnisse gegen alle und jede Hörigkeit"
(1866, S. 3). Er wies als Beleg für diese Aussage auf den "Sachsenspiegel".
"Immerhin" folgert Hansjakob, "mag dieser natürliche Protest,
wie wir ihn im Sachsenspiegel finden, im konkreten Falle den Salpeterern zu einer
Entschuldigung dienen" (daselbst)
Elard
Hugo Mayer schrieb 1900, nachdem er gründlich in dieser Landschaft recherchiert
hatte, über die Hotzenwälder
"Verschlossenheit,
Unabhängigkeitsliebe, jeder Neuerung abholder Starrsinn, religiöse Erregbarkeit
und Verschmitztheit wohnen in ihrer Brust zusammen, dabei sind sie recht nüchterne
und fleißige Bauern von denen fast jeder zur Landwirtschaft ein Handwerk
hinzugelernt hat…" ("Badisches Volksleben" Freiburg, 1900/1977,
S. 539ff 1900, S. 542)
Hierzu
eine Anmerkung:
Bei allem Wandel, der sich im Hotzenwald im Verlaufe der letzten
fünfzig Jahre vollzog - zu denken ist an die vielen Zuzügler (Vertriebene
und DDR-Flüchtlinge, die Wirtschaftsentwicklung oder Verkehrserschließung),
trifft man in allen Hotzenwaldgemeinden noch Einheimische an, die an die Schilderung
von Mayer erinnern:
"In
diesem Zusammenhang denke ich an die Familie, auf deren ehemaligem Acker wir unser
Haus stehen haben. Vier Kinder hatte der ehemalige Landwirt und Feuerwehrhauptmann
von Görwihl. Drei Töchter und einen Sohn. Der Sohn ist heute Diplom-Ingenieur,
arbeitet in der Schweiz und hat nun den elterlichen Hof übernommen. Nebenher
züchtet er Schafe und kümmert sich um Wiesen und Wald. Außerdem
war er jahrelang der Dirigent der "Hotzenwald-Bauern-Kapelle". Seine
Schwestern haben ebenfalls solide Ausbildungen. Eine von ihnen hat, nachdem sie
an der Katholischen Fachhochschule ein Sozialpädagogikstudium erfolgreich
abgeschlossen hatte, einen Weinbauern aus dem Breisgau geheiratet und hilft dort
erfolgreich mit, den Wein zu vermarkten."
(Rumpf in einem Brief an Prof.
Dr. W. Hug am 22.Juni 2000).
Aus
der Fülle unterschiedlicher veröffentlichter und/oder von Mund zu Mund
getragener Urteile und Meinungen über den Hotzenwald und seine Bewohner,
wie sie oben wiedergegeben sind, können sich Vorstellungen formen, die jenen
Menschen entgegenkommen, die für ihr Leben nach einer Alternative suchen.
Beispiel:
Ein Ehepaar
mit zwei Kindern (ursprünglich aus einer sächsischen Stadt) erklärt,
dass sie sich in einem Hotzenwaldort niedergelassen und ein Häuschen gekauft
haben, weil sie hier leben können, wie sie wollen und ihnen niemand hineinredet.
Sie seien völlig in Ruhe gelassen worden: kein Nachbar habe sie angesprochen
oder sich neugierig gezeigt (bei Um- und Ausbau z. B.); ganz anders, als sie es
früher erlebt haben. Hier könne, so ihre Erfahrung, jeder nach seiner
Fasson selig werden. Sie schicken z. B. ihre Kinder nicht in eine Staatliche Schule,
mit deren Bildungskonzept sie nicht einverstanden seien. In Herrischried gibt
es eine kleine private Schule. Dorthin gehen ihre Kinder. Da sind sie als Eltern
praktisch einbezogen und tragen Mitverantwortung.
Diese
Schule in Herrischried darf als ein Beispiel dafür genommen werden, dass
sich im Hotzenwald gern Gruppen niederlassen, die in Theorie (Weltanschauung z.
B.) und Praxis (Lebensgestaltung) eigene Wege gehen.
"Warum
die ausgerechnet hierher gezogen sind, ist für uns auch nicht nachvollziehbar",
meinte der Rickenbacher Bürgermeister Keller in einem "Südkurier"-Interview
(31.12.1993). "Das Phänomen gibt es ja im ganzen Südschwarzwald.
Wahrscheinlich kommen diese Menschen, weil wir sehr tolerant sind, ganz anders
übrigens, als man uns üblicherweise nachsagt. Es hat hier, von den religiösen
Salpeterernachfahren angefangen, immer religiöse Gruppierungen gegeben."
Und
Dr. Christian Ruch meint über die Gründe, die derartige Gruppierungen
in den Südschwarzwald ziehen:
"…Hinzu
kommt, dass der Schwarzwald sehr günstig liegt - abgeschieden und trotzdem
gut zu erreichen, nicht allzu weit entfernt von den Flughäfen in Zürich,
Basel-Mulhouse und Stuttgart sowie der wichtigen Nord-Süd-Achse Karlsruhe-Basel.
Außerdem glaube ich, dass auch die Nähe zu Freiburg und der Schweiz
eine wichtige Rolle spielt. Denn sowohl in Freiburg als auch in der Schweiz war
Esoterisches und Spirituelles schon immer sehr gefragt und dort findet man im
Schwarzwald einen idealen, ebenso nahen wie idyllischen Rückzugsraum. Ein
Rückzugsraum, in dem Immobilien wie z.B. große Schwarzwaldhöfe
schon aufgrund der Krise in der Landwirtschaft mitunter billig zu haben sind und
aufgrund ihres großzügigen Raumangebots als Seminarhaus oder Meditationszentrum
ideal geeignet sind. Wollte man dies auf eine Kurzformel bringen, ließe
sich sagen: Der Landwirt geht, der Sinnsucher kommt. Und so hat der Strukturwandel
des Schwarzwalds von einem Raum, indem Landwirtschaft und Tourismus gleichermaßen
von Bedeutung waren, zu einem Raum, in dem der Tourismus - und sei es in Form
"spiritueller Wellness" immer wichtiger wird. Allerdings muss man auch
sagen, dass die Wirtschaft vor Ort nicht in besonders großem Masse von diesem
spirituellen Tourismus profitieren dürfte - denn meistens übernachten
und verpflegen sich die Sinnsucher in den Seminarhäusern selbst, sodass die
lokale Gastronomie und Hotellerie nicht übermäßig viel an ihnen
verdienen dürfte.
Zu denken ist an die Gründungen des Grafen Dürkheim
in Todtmoos, an die religiösen Gemeinschaften in Strittmatt (Ichthys, Uriella)
oder in Segeten. Ruch bezieht auch die zahlreichen anthroposophischen Einrichtungen
im Hotzenwald mit ein.
Aber
auch politischen Charakter können derartige Personengruppen haben, wie es
über den Kreis um den Theologen Prof. Gollwitzer in den siebziger Jahren
in Wolpadingen gesagt werden kann (Karl-Heinz Peters: Auch ein Zeitzeuge. Berlin
2003, bes. S. 422 ff). Der Berliner Jurist und Leiter eines großen Heimstättenwerks
Dr. Karl-Heinz Peters nennt in seiner Autobiographie Gründe dafür, gemeinsam
mit dem Weltbürger Andrew Sommerfeld schon in den sechziger Jahren in Wolpadingen
ein altes Hotzenhaus zu kaufen:
"Es war die Schönheit der Landschaft,
die Abgeschiedenheit und Ungestörtheit, die diese Persönlichkeiten den
Hotzenwald genießen ließ. Der damalige Bundespräsident Gustav
Heinemann kam gern hierher auf diese Insel der Ruhe für Körper und Geist"
(S. 424), weiß Karl-Heinz Peters zu berichten.
Es
gehören also gerade die landschaftlichen Eigentümlichkeiten und die
Abgeschiedenheit, die relativ dünne Besiedlung und die sprichwörtliche
Ruhe zu den Motiven von jenen, die sich hier niederlassen. Vielleicht spielt bei
Einigen auch eine "gefühlte" geistig-seelische Verwandtschaft mit
den "eigenhürnigen" Hotzenwäldern eine mehr oder weniger bewusste
Rolle, wenn sich ausgerechnet hier oben derartige Gruppierungen einrichten. Hierzu
gehört - sofern überhaupt bewusst - , dass die Hotzenwälder "freie,
keiner Obrigkeit untertane Leut' " seien, wie es Thomas Lehner im Titel seines
1977 zum ersten Mal erschienenen Büchleins "die Salpeterer" postulierte.
Nach
den bisher bedachten Gründen der Vorliebe von besonders eigentümlichen
Personen und Personengruppen für den Hotzenwald erscheinen mir als wahrscheinlich:
-
Der Landschaftscharakter und hier besonders die Abgeschiedenheit und Ruhe;
-
die öffentliche (veröffentlichten) Meinung über den Wald und seine
Be- wohner, deren Ausprägung in der Geschichte (vor allem der Salpeterer)
begründet ist;
- die Zuschreibung "die Hotzenwälder sind
tolerant";
- die noch recht moderaten Preise für Grundstücken
und Gebäude.
©
Dr. Joachim Rumpf
79733 Görwihl, d. 25.05.2010